Mein neues, altes Stadtvelo

Stell dir vor, ich habe mir heute ein Velo gekauft. Bin zum Velohändler und habe gesagt, dass ich ein hässliches, billiges Velo brauche. Er blickte mich leicht verwirrt an, worauf ich ihm erklärte, dass ich in der Stadt wohne, keinen Velokeller zur Verfügung habe und mein Velo möglichst nicht geklaut werden soll. Seine Verwirrung löste sich in Wohlgefallen auf und er witterte ein kleines Geschäft.

Die Auswahl war beschränkt aber ich wurde fündig. Ich habe mich gegen das violett-grüne, sehr, sehr hässliche Teil entschieden. Ich habe mich auch gegen das dunkelgrüne, gar nicht hässliche Velo entschieden. Ich habe mich auch gegen das schicke Oldtimer-Rad mit Körbli und Kelle entschieden. Ich habe mich für einen Drahtesel entschieden, denn ich vor nicht allzulanger Zeit nicht einmal eines Blickes gewürdigt hätte. Oder ich hätte die Nase gerümpft und gesagt: Nee, nä, Image is everything..

Gut, du weisst, die Zeiten ändern sich, Einstellungen ändern sich…. und so bin ich nun stolze Besitzerin eines Occasion M-Budget-Velos. Jawohl, du liest richtig. Und in den wenigen Stunden, die wir nun schon gemeinsam durchs Leben fahren, habe ich mich schon richtig verliebt. Obwoh, ey, der Sattel – das ist ein Mörderteil, mir tut jetzt noch alles weh und ich bin nur von Albisrieden an den Stauffacher gefahren.

Frau W. goes M-Budget...
Frau W. goes M-Budget...

Apropos fahren. Hätte man meine heutige Jungfernfahrt verfolgt, würde man sich wohl totlachen. Ich bin wie die totale Anfängerin einfach den Weg gefahren, den ich auch mit dem Auto gefahren wäre. Und das ist ja ziemlich hirnrissig. Zumal alle anderen Velofahrer kreuz und quer überall durchfahren – Verbote, Einbahnstrassen und Trottoirs hin oder her. Aber ich habe brav in der Kolone gehalten, die Hand rausgehalten und gewartet, bis die Ampeln auf grün schalten. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mich alle anstarren. Guck mal, eine Anfängerin, bääää-hä-hä-hä…

Aber billig wars (OK, das Supermegasicherheitsschloss kostete einen Drittel des Kaufpreises). Und zufrieden bin ich auch. Das ist doch die Hauptsache, nicht wahr? Morgen erkundige ich die Stadt per Velo… wir werden sehen…