Nach der Cola ist vor der Cola

Liebe Frau H. Das mit der Cola zero ist so eine Sache. Du kennst das ja. Was gibt es schöneres, als mit einem ordentlichen Gluscht eine eiskalte Cola zero zu öffnen, die Pet-Flasche anzusetzen (ein Trinkglas zu verwenden ist tabu – zerstört den Geschmack) und zu spüren wie diese köstliche, kalte, sprudelnde Flüssigkeit sich mit unserem Körper verbündet und sich herrlich kühl einen Weg durch die Kehle bahnt. Ein zufrieden-seufzendes „Haaaachhhhhh-Mmmmhhhhhhh“ entweicht einem unwillkürlich und auf den Lippen bleibt der süsslich-feine Geschmack zurück.

Dann muss der nächste Schluck her. Der Durstlöscher-Schluck. Kohlensäure löscht zumindest mental den Durst, nicht wahr. Und so geht es ruck-zuck und das 0.5l Fläschli ist leer. Macht nix. Da warten ja noch soviele schnuggelige kleine Pet-Flaschen auf einem. Süsse, kleine Flaschen mit schönem Schriftzug die einem entgegenschreien: Hol mich, trink mich, sei glücklich…

Nein, ich habe keine Probleme mit Cola – aber ich habe Probleme ohne…. Was für eine unschöne Tatsache. Colasüchtig. Das waren doch früher nur die weissbesockten Computer-Freaks, welche sich die Nächte mit der neusten Pacman-Version um die Ohren schlugen oder irgendwelche unverständlichen Zahlen- und Buchstabenfolgen in grüner Schrift auf schwarzen Hintergrund tippten, sprich, programmierten bis die Finger wund waren und die Colaflaschen leer. Aber das ist ein anderes Thema.

Colasüchtig tönt irgendwie nach jung und unvernünftig, nicht erwachsen und seien wir ehrlich – ich habe die Schwelle des Erwachsenwirkens nun schon lange, lange überschritten. Junge Menschen siezen mich, also bin ich alt. Ältere Menschen bieten mir das du an, also bin ich alt. Das ist eine Tatsache – aber ein ganz anderes Thema.

Früher gab es nur normale Cola. Da trank ich mässig und nur ab und zu. War ja sowas von ungesund das Zeug – der viele Zucker, also nein. Ausserdem war ich noch jung und meine Mutter hatte da ein Wörtchen mitzureden. Also gabs kalten, selbstgemachten Tee statt Cola. Super. Das ist als Kind fast so toll wie Jeans aus der Migros statt von Levis. Aber auch das ist ein anderes Thema.

Irgendwann kam endlich meine Cola. Die Cola light. Meine Cola light. Die ersten Flaschen waren schwierig, dieser künstliche Geschmack. Aber da muss man durch – ist wie bei den ersten Zigaretten. Aber das ist erst recht ein anderes Thema.

Die Experimente wie Crystal Cola und Cherry Coke und all dieser Kram – das war nicht mein Ding. Ich blieb Cola light treu. Zeitweise wurde ich sogar mit Betty-Coke bespitznamt. Bis, ja bis in nicht allzu ferner Vergangenheit die Colamenschen eine kluge Idee hatten. Jungs, wir basteln uns jetzt eine Männercola. Eine light Cola – aber nur für uns Kerle. Auch mit ohne Zucker. Zero Zucker, verstehste. Ey, zero – tönt gut, nehmen wir. So in etwa muss diese Cola zero entstanden sein. Männlich einfach halt – aber das ist natürlich auch ein anderes Thema.

Und was mache ich, als selbstbewusste, colasüchtige Frau in einem solchen Moment? Klar! Die Mackers wollen eine eigene Cola? Vergesst es….. eure Cola ist auch meine Cola. Und so habe ich angefangen, Cola zero zu trinken. Ey, das ist Männercola – hol dir eine light tönte es entsetzt durch die Männerwelt. Und jeder Schluck schmeckte noch besser. Jawohl! Prost!

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One thought

  1. Ich bin begeistert – vielen Dank für diesen Post! 🙂
    Vor allem dieser Teil hat es mir angetan:
    „… seien wir ehrlich – ich habe die Schwelle des Erwachsenwirkens nun schon lange, lange überschritten. Junge Menschen siezen mich, also bin ich alt. Ältere Menschen bieten mir das du an, also bin ich alt.“

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