Winter go home!

Liebe Frau H. – es ist langsam aber sicher nervig, dieses winterliche Gebaren in unseren Breitengraden. Während du nacheinander die schönsten Strände der Welt geniesst (und uns das charmant unter die Nase reibst) sitzen wir hier im tiefsten Winter. Ich meine, was soll das – was war das vor ein paar Tagen? Zeigen wie der Frühling sein könnte und ätsch, wieder Winter einschalten? Echt!

Diese wenigen Tage Frühling schnuppern – das war schön. Es tat gut. Sogar die Jacke ausziehen konnte man am Nachmittag und die Nase gegen die Sonne strecken und denken, ja, es ist gut, das Leben. Es ist Frühling. Sprich: Tulpen kaufen und gelbe Servietten. Bunte Schals um den Hals schwingen. Die leichtere Jacke aus dem Mottenschrank holen, Mütze und Handschuhe in die Ecke packen. Pläne für die Balkonbegrünung schmieden. Schuhe anziehen, die nicht bis untes Knie reichen. Die schwarze Handtasche gegen die hellbraune tauschen. Luftige Musik hören. Fremde Leute anlächeln (weil das Leben ja gut ist). Eine Station früher aussteigen und die frische, laue Luft geniessen. Sich von der Sonne statt vom Handy wecken lassen. Das Fahrrad mental auf die Saison vorbereiten. Den Bauch einziehen. Frühling halt. Herrlich.

Doch es sollte (noch) nicht sein. Da wache ich eines Morgens auf, blicke auf die weissen Dächer der Nachbarhäuser und denke: weiss? Warum weiss? Weiss nicht. Weiss doch! Weiss ist Schnee. Schnee kann aber nicht sein. Falls doch, warum?

Skeptisch trete ich zum Fenster und blicke in den Innenhof. So eine oberolle Mistkiste (Anmerkung der Red.: Es wird aus Rücksicht auf die LeserInnen auf die Niederschrift der Originaläusserung verzichtet). Das darf ja wohl nicht wahr sein. Inzwischen hat der Himmel seine Pforten wieder geöffnet und die Schneeflocken wirbeln wild und mich hämisch angrinsend durch die Luft. Ätsch, du doofer frühlingsliebender Mensch, jetzt sind wir wieder da und ärgern dich noch ein Bisschen. Hast du schon einmal versucht, Schneeflocken mit einem verachtenden Blick zum schmelzen zu bringen? Ich schon – ohne Erfolg, leider. Aber man muss ja auch nicht alles können, nicht wahr.

Aus Protest bin ich dann mit der leichten Jacke, Collegeschuhen und der hellen Tasche und ohne Mütze, Schal oder Schirm aus dem Haus gegangen. Am Paradeplatz pfiff der Wind und verhöhnte mich zusammen mit den Schneeflocken: Doofe Frühlingstussi… Ich stellte den Kragen hoch, was leider gar nichts nützte, blickte krampfhaft zum Himmel hoch und versuchte eine kleine Aufhellung, ein Zeichen der Besserung oder sonst ein Wunder zu entdecken. Nass und frierend stand ich da und schmollte. Doch das interessierte niemanden. So verging der Tag und wurde zur Nacht und das Wetter blieb konsequent. Ich auch. Das Spiel wiederholte sich. Jacke, Collegeschuhe etc. Frieren. Schmollen. Und am nächsten Tag wieder: Jacke, Collegeschuhe etc. Frieren. Schmollen.

Heute habe ich dann aufgegeben und meinen wohligwarmen Wintermantel gepackt. Ahhh, schön warm, herrlich…. Und die Hoffnung – ja, die Hoffnung gebe ich nicht auf! Ätsch Winter!