Gewitter

Liebe Frau H. – es braut sich ein Gewitter zusammen. Ich meine, draussen. Am Himmel. Eben schien noch die Sonne. Aber jetzt wird es immer dunkler und riesige, graue Wolkentürme fliegen bedrohlich übers Nachbarhaus und türmen sich auf, bereit für das grosse Donnerwetter. Alles wirbelt durch die Luft – Blüten, Papierchen und Zigarettenstummel. Der Wind spielt aufgepeitscht seine Lieblingsmelodie und kommt richtig in Fahrt.

Ich liebe diese Stimmung. Es schmeckt nach Regen, die Luft ist schier greifbar. Dann fallen schwerfällig die ersten grossen Tropfen. Schliesslich tut sich der Himmel ganz auf und der Regen brettert erlöst der Erde entgegen. Das Wasser zischt, der Boden dampft und einen Moment ist alles sehr intensiv, die Zeit steht still. Dann beruhigt sich der Regen, fällt gleichmässiger bis er sich verliert und schlussendlich ganz aufhört. Die Sonnenstrahlen drücken die Wolken weg, es wird heller und dann ist der Zauber vorbei. Die Strassen füllen sich wieder mit Menschen und das Stadtleben nimmt seinen Lauf.

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