Basel und Zürich

Liebe Frau H. – der FCZ ist Meister. Schweizermeister. Da müsste ich als Baslerin ja eigentlich aufjaulen, nicht wahr? Aber was will eine in Zürich wohnhafte Baslerin in einem solchen Moment schon aufjaulen…

Mir ist mittlerweile wirklich egal, wer gewinnt. Vor einigen Jahren war ich oft an Fussballspielen, ob mit Plastikbecher-Bier im tobenden Pulk oder mit Tussiglas-Champagner im elitären Premiumbereich – es machte mir einfach Spass. Der FCB machte es einem ja auch leicht, Fussball zu mögen. Ach – und im zarten Alter von ungefähr elf Jahren war ich sogar richtig Fan einer Mannschaft. Von GC. Ja, die Zürcher Grashoppers. Ich als Baslerin trug im Turnunterricht ein GC-Leibchen (blau-weiss fand ich halt einfach schöner, mein Gott..).

Wirklich, ich hielt noch nie viel von dem Städtekrieg Basel-Zürich. Mir fällt auf, dass die Basler ordentlich und lautstark Mühe mit Zürich bekunden, die Zürcher aber gar nichts gegen Basel haben. Fussball ausgenommen, versteht sich.

Und so kam es, dass ich sogar einen Zürcher heiratete. Hochverrat. Und ich holte ihn nach Basel, domestizierte ihn und dann, naja – der Rest ist Geschichte. Er wohnt immer noch glücklich in Basel und seine Lebenspartnerin ist Zürcherin. Und ich wohne glücklich in Zürich und mein Lebenspartner ist Basler. So schreibt das Leben Geschichte.

Du hättest die Reaktionen hören sollen, als ich meinen Umzug nach Zürich kundtat. „Hesch aigentlich e Knall, gopferdeggel“, „Was willsch denn bi dene Ziiircher, also nai“ oder „Bisch doch e Lööli, hai-ai-ai“ war noch harmlos. Der Zürcher ist ein beliebtes Feindbild in Basel. Warum eigentlich? Hat und verkörpert er alles, was der Basler nie haben wird? Gewagt, gewagt – ich weiss.

Ein Müsterchen. Da fuhr ich vor ungefähr zwei Jahren – mittlerweile mit Zürcher Nummernschild – auf einem Heimatbesuch durch Basel. Ich wurde noch nie so oft angehupt, wirklich. ZH = bööööse, ZH = hupen. Einer hat mir sogar was nachgeschumpfen am Fussgängerstreifen (ok, ich musste etwas knapp bremsen). Er zeterte irgendetwas von Blablabla-Zürchern… Und ich, ich rief durchs offene Fenster im schönsten Baseldeutsch, dass er gefälligst „d’Schnuure hebe“ soll. Langes Gesicht. Basler Dialekt aus Zürcher Auto? Häää? Das überstieg seine intellektuellen Fähigkeiten definitiv – (vermutlich) unabhängig seiner Herkunft.

Woher kommt diese Abneigung der Basler gegen Zürich? Ist es (historisch gewachsener) Neid auf Zürich? Basler streiten natürlich ab, dass es Neid ist. Fragt man dann aber nach, stört den Basler, dass „alles“ in Zürich ist. Sogar einen See haben sie, diese Zürcher. Und selbstbewusst sind sie, wie die Deutschen, pfuiwäh. Und dieses grossgekotzte Getue. Und der Dialekt. Und überhaupt. Aha…

Eine wohltuende Tatsache ist, dass man als Basler in Zürich überhaupt keine Probleme hat. Ich habe noch keine einzige negative Reaktion auf meine Herkunft erhalten. Kann sein, dass Basel schlicht und einfach kein Thema für Zürcher ist, weil zu klein,  zu unwichtig, keine Gefahr. Die Reaktion auf das Gezeter aus Basel: „Hoo-ooi. Heerzig die Baslär, was händs äigentli namal wälle, händs grad öbis gsääit?“

Natürlich, da gibt es auch weltoffene Basler, die diese Probleme nicht haben. Und der Rest… ich höre mir das – mittlerweile auf mich kleinbürgerlich wirkende – Gezeter der restlichen Basler über Zürich an, empfinde etwas Mitleid ob soviel erwachsener Unreife und freue mich darüber, in einer solch tollen Stadt wohnen zu dürfen.

2 thoughts

  1. Hö, hö, Schwesterchen. Kannst ruhig sagen, dass Du die Leibchen jeweils deinem Brüderchen geklaut hast ….. Und wo ist eigentlich meine GC-Fahne? Woooooo ist siieeee?

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    1. Papperlapapp liebes Brüderchen – ich hatte ein eigenes GC-Leibchen (Geburtstagsgeschenk). Aber es kann schon sein, dass ich zusätzlich mal deines ausgeliehen habe – da fehlt mir jetzt irgendwie die Erinnerung… Und Fahne? Ich erinnere mich schon an Fahnen von dir – das ging dann aber anders… (Klopf, klopf, Hey, mir bringe de Fabi, mach uf…)… 🙂

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