Steam it

Liebe Frau H. – Steamen ist cool. Steamen ist gesund. Steamen ist meine neuste  Entdeckung. In den Bergen – du weisst schon  – hat’s einen eingebauten Steamer. Zuhause in Zürich hat es ausser einem noch nie in Betrieb genommenen Backofen kein solches Gerät. Bis heute zumindest. Seit wenigen Stunden bin ich stolze Steamer-Besitzerin. Doch fangen wir von vorne an:

Gemüse ist bei mir aus aktuellem Anlass hoch im Kurs. Rohes Gemüse schmeckt zwar lecker, muss aber nicht zweimal täglich sein. Wie du weisst, bin ich des Kochens nicht wirklich mächtig. Irgendwie brennt mir das Zeug immer an, verkocht oder ist zu hart. Ich würde diese Tatsache eigentlich ganz gerne auf den leicht lädierten Herd schieben – aber das war auch schon bei tiptop neuen Herden so. Also ist steamen die perfekte Lösung. Bedienungsanleitung lesen und essen. Naja, fast.

Motiviert vom wochenendlichen Berg-steamen stapfte ich heute nach Feierabend in ein Elektrofachgeschäft, bloss eine Tramstation von Zuhause weg. Da hatte es sogar richtig Auswahl. Und einen netten Verkäufer. Der hat jetzt ein Loch im Bauch. Das habe ich ihm nämlich da reingefragt. Über die Steamer. Da gab es günstige Modelle, die aber entsprechend wenig Möglichkeiten boten. Mittelteuer Modelle gab es nicht. Die nächste Stufe war dann schon teuer. Teuer und gut (und schön – aber das liegt wohl am teuer..). Während der nette Verkäufer mit dem Loch im Bauch einem jungen Mann sämtliche Gasgrillgeräte erklärte, studierte ich in aller Ruhe die Bedienungsanleitungen. Es war in der Tat so, dass eigentlich nur die teuren Modelle mein Berg-verwöhntes Steamerherz zu befriedigen vermochten. So strich ich im Geiste das  neue i phone und noch ein paar Kleinigkeiten von meiner Einkaufsliste und entschied mich für ein teures Modell. Doppelt so teuer, wie mein ursprüngliches Budget, wohlgemerkt.

Sobald der nette Verkäufer mit dem Loch im Bauch den grillwilligen jungen Mann hinter sich gelassen hatte, schnappte ich ihn mir (den Verkäufer). „Haben Sie dieses Modell an Lager?“. Seine Augen blitzen. „Aber natürlich“. „Wie schwer ist die Kiste?“. „Ich hole sie mal.“. Kurz darauf rollte er eine Monsterkiste auf einem Einkaufswagen heran. „20 Kilo“. „Aha“. Ich blickte betrübt. „Meinen Sie, ich kann die Kiste tragen? Ich muss nur eine Tramstation weit fahren“. Sein Blick sprach Bände. In diesem Moment trat ein älterer Herr hinzu. „Sie müssen nur eine Tramstation weit?“. „Ja, richtig“. „Ich fahre Sie“ sagte er. „Ich habe heute noch nichts Gutes getan“. Wow! Echt wahr, glaub mir. Ich tat meine Riesenfreude kund. Denn die Alternative wäre gewesen, mir das Ding liefern zu lassen. Und das hätte geheissen, dass heute Abend kein gesteamtes Gemüse auf meinem Tellerchen gelandet wäre. Und ich wollte unbedingt, dass gesteamtes Gemüse dort landet. Also… Deal.

Der nette Verkäufer mit dem Loch im Bauch wickelte den für mich doch kurzzeitig schmerzhaften Zahlungsvorgang ab (das i-phone wäre halt schon auch toll gewesen…) und half dann dem älteren Engel-Mann die Riesenkiste in seinem Auto zu verstauen. Los gings, nett plaudernd ab ums Eck, bis direkt vor meine Haustüre. Dort half mir der Engel-Mann, die Kiste bis zur Türe zu schleppen. Just in diesem Moment, kam ein in meinem Haus in einer mir gut bekannten Firma arbeitender Mensch die Treppe hinunter. Engel-Mann verabschieden, Firmen-Mann engagieren. Dieser schleppte die Kiste in den Lift und meinte, er müsse jetzt los, käme aber später die Kiste den letzten, liftlosen Stock hochtragen. Super!

Die Minuten verstrichen, mein Magen knurrte und meine ungeduldige Vorfreude auf das gesteamte Gemüse bewog mich dazu, die Kiste dann doch schon mal selber, Stufe für Stufe die Treppe hoch zu hiefen. Das war aber erst die halbe Miete. Der Steamer musste noch aus der Kiste raus und in der Küche an seinen Platz. Ratzfatz, Kiste wegfetz, Styropor wegfetz und eins, zwei, drei das Ding hoch auf seinen Platz. Was Hunger doch für Kräfte zu verleihen mag!

Der Rest (lesen, putzen, in Betrieb nehmen…) verschlang nochmals seine Zeit – aber dann, dann folgte die Belohnung. Gemüse, welches nach Gemüse schmeckt. Und so haben mir drei nette Menschen, zwei glückliche Zufälle und etwas Eigeninitiative zwar ein leeres Portemonnaie aber auch eine geschmackvolle Steamerzukunft beschert. Und das ist doch was!

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Hinweis zum ersten Foto: links unten die weggefetzte Verpackung – rechts oben der Steamer…. Foto zwei muss ja wohl nicht erklärt werden…

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