Ich lebe Diät

Liebe Frau H. – er knurrt. Mein Magen. Manchmal knurrt er leise und nur für mich „Knuuuurr-Brrrrrrrrrr“ – aber manchmal auch richtig laut „Knurr-Broaaarrrr-Rumpel-Glugger-Knurrrrrrrrrrrrr“. Gleichzeitig brüllt es in mir nach Cola zero und auch sonst ist ganz schön was los. Tja, es tobt ein Kampf…

Mein Hungerzentrum liefert sich mit dem Suchtzentrum seit zehn Tagen einen Battle und feuert den Magen laufend an, immer lauter zu knurren während das Suchtzentrum mein Sprachzentrum anheizt, lautstark nach Cola zero zu brüllen um den Magen zu übertönen. Das Gerechtigkeitszentrum weiss nicht so recht, für wen es Partei ergreifen soll – gerechterweise ja für niemanden. Das Phantasiezentrum hingegen schwaddert aufgeregt umher und entwirft schon Trikots für die beiden Mannschaften. Das Bewegungszentrum liegt träge in der Ecke und hält sich aus allem raus. Das Ästhetikzentrum schreibt in hoffnungsvoller Vorfreude eine meterlange Einkaufsliste für coole Fummel und poliert alle Spiegel im Umfeld. Mein Strukturzentrum schlägt verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen – dieses ungeordnete Chaos, geht ja gar nicht. Der Verstand hält sich derweil amüsiert über das aufgeregte Treiben der Mitbewohner abseits, feilt sich gelangweillt die imaginären Fingernägel und blickt abschätzig auf das Schlachtfeld. Nur der Wille, der hält unbeirrt seinen Kurs und zeigt sich ob dem Chaos gänzlich unbeeindruckt. Befehl ist abnehmen, also wird abgenommen. Ganz einfach.

Ja, richtig, ich lebe Diät. Also, eigentlich „auf den Stoffwechsel angepasste Ernährungsumstellung“. Metabolic Balance. Wie n’Promi, einfach ohne Promi-Faktor. In Kürze: Lebensmittelaufnahme wird auf Stoffwechsel angepasst. Langfristig. Kurzfristig gibt es einen strengen Plan. Es gibt eine Liste mit OK-Nahrungsmitteln, der Rest muss wegbleiben. Und: Keine Cola zero. Basta (nicht Pasta). Fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten (nur Wasser). Und das ist ganz schön hart. Aber auch ganz schön erfolgreich. Entweder hat Herr M. die Waage man(n)ipuliert oder es funktioniert tatsächlich. Die Pfunde purzeln, ich freue mich und der Kampf in mir tobt zwar weiter, rückt aber in den Hintergrund. Hey du, Wille, guter Job!