Der Apfel

Ich werde ein Buch schreiben. Soweit sogut. Bloss – die Geschichte handelt aus der Perspektive eines Apfels. Ja, richtig, eines Apfels.

Hast du deine Medikamente heute noch nicht genommen? Wie jetzt, Apfel? Haha, du bist  immer so komisch. Hör doch auf und lass mich weiterlesen (alternativ: arbeiten/kochen/malen/fernsehen/die Wand betrachten oder dem Gras beim wachsen zusehen…). Klar, aber wie wärs mit einer Brombeere? Spinnst du? Ja – sag mal, wann hast du eigentlich endlich Ferien? Was sagt dein Therapeut dazu? Und soll das dann lustig sein? Wie soll das gehen? Wer soll das lesen? Niemand schreibt ein Buch über einen Apfel. Jaja, klar… (tätschel-tätschel).

Die meisten Reaktionen sind gelinde gesagt nicht geprägt von aussergewöhnlicher Euphorie. Diese ist meinerseits hingegen ungebrochen. Ich sehe in meiner Idee nach wie vor unglaubliches Potential.

Man stelle sich in etwa Folgendes vor: Ein süsses,  kleines Babyäpfelchen wächst am knorrigen alten Apfelbaum heran. Nur schon der Baum hat seine Geschichte zu erzählen. Mitgehangen – mitgefangen, auch die Mitäpfel haben ein bewegtes Leben, über das es sich zu berichten lohnt. Mein Babyäpfelchen wächst also  heran, freundet sich mit dem Wurm in sich an und wird gross und stark. Sein Leben ist kurzweilig, steht doch direkt unter dem Apfelbaum eine Bank, auf der sich tagsüber die verschiedensten Gestalten tummeln. Und wenn der Tag zur Nacht wird streichen dunkle. fellige Geschöpfe durch das hohe Gras unter dem Baum, bleiben manchmal sitzen und erzählen vom Leben im Wald, unter dem Boden oder im Bauernhaus am Ende des Feldes . Von Birnenbaum in der Nähe trägt der Wind ab und an den Gesang des Birnenchors heran und die sauren Kirschen von Gegenüber hängen sich meist missmutig durch den Tag. Kein Wunder, bei soviel Kern und sowenig Fleisch. Der Wind blättern im liegengelassenen Schwedisch-Wörterbuch und so lernt der Apfel auch noch schwedisch – ein zweisprachiger Apfel ist irgendwie schon sexy und die Wiesenschaumkrautdamen tanzen mit den Farnersfrauen verführerisch im Wind um die Wette. Ab und an fällt ein Mitapfel runter und das Apfelleben nimmt seinen Lauf.

Ich lasse es noch offen, wie sehr und wie lange der Apfel eine Rolle spielt, ob die Geschichte vielleicht nur dort anfängt und wieder dort endet und ob das alles einen Sinn macht. Ich weiss noch nicht, ob es ein Liebesroman, ein Krimi oder ein halbweiser Lebenserguss wird. Es spielt auch noch keine Rolle. Hauptsache ich glaube daran…