Spok und Jumbo

Plupp. Und nochmals Plupp. Oder Plopp. Und nochmals Plopp. Oder Kschhhhschhhh. Und nochmals Kschhhhschhhh. Gefolgt von Plopp. Oder Plupp. Oder Plipp-Plopp. Erst links, dann rechts.

Oh, pardon – ich spreche von meinen Ohren. Da herrscht ein kleines Druckausgleichsproblem. Kommt von der Erkältung. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist das  visuelle Ungleichgewicht zwischen links und rechts. Das eine Ohr nenne ich „Spok“ und das andere „Jumbo“.

Ist echt so. Die Lauschmuschel rechts kam bei der Knorpelverteilung zu spät und flattert sein nunmehr knapp vierzig Jahren fröhlich vor sich hin. Links herrscht eher Normzustand. Oder ist es doch umgekehrt? Egal. Die beiden Dinger sehen nicht gleich aus. Und so liess sich kurz nach meiner Geburt eine Nachbarin zur Bemerkung: „Es ist ja ein Herziges, aber jesses, es hat ja schon ein bisschen ein eigenes Öhrchen, nicht wahr…“ hinreissen, worauf sie bei meiner Mutter unten durch war. Sowas von unten durch aber auch.

Später dann fiel mein Jumbo-Ohr hautpsächlich auf Fotos auf. In der Kunstwelt hiesse so etwas: „Weiss leuchende Muschel aus dunkler Haarpracht“. Ziemlich deutlich sichtbar wurde der Mangel dann beim Tragen eines Reithelmes. Ich versuchte immer die Ohrmuschel unter den Helmrand zu klemmen, worauf sie beim Trab – spätestens aber beim Galopp rausflutschte und sich mein visuelles Problem unübersehbar präsentierte.

So richtig lustig war es auch, als ich mir im frühen Jugendalter in den Skiferien bei widrigen Wetterverhältnissen Erfrierungen an den Ohren zuzog. Die angefrorenen Ohren standen im aufgetauten Zustand rot leuchtend ab. Ein Leichtes sich vorzustellen, dass das Jumbo-Ohr gewisse Aufmerksamkeit auf sich zog.

Erstaunlicherweise war das so gut sichtbare Problem nicht wirklich ein Problem für mich. Das lag wohl daran, dass mein Umfeld mir immer wieder versicherte: „Das sieht man üüüüüberhaupt nicht“. Oder: „Wenn du nichts gesagt hättest, wäre mir das nieeeeeee aufgefallen“. Tjaja, es ist schön, so geliebt zu werden…

Und so halten mich „Spok“ und „Jumbo“ noch heute nicht davon ab, mir einen Pferdeschwanz zu binden. Oder mir die Haare hinter die Ohren zu streichen. Ich kann auch mit unbewegter Mine aber doch amüsiert die unsicheren Blicke der neuen Frisörin beobachten. Und ich beziehe das freudige Tröten beim Elefantengehege im Zoo nicht auf mich…

PS. Und sollten Spoks Verwandte je mit ihrem Raumschiff auf der Erde landen, strecke ich ihnen mein linkes Ohr hin und gut ist…