Sesselbahn

Die Dinger bringen einem in der Regel hoch. Und machnmal auch wieder herunter. Mich bringen sie schlicht und einfach nur zur Verzweiflung.

So geschehen am letzten Wochenende. Herrliches Herbstwetter in den Bergen, strahlend blauer Himmel, warmglitzernde Sonnenstrahlen, wunderbare Sicht. Also rauf. Rauf auf einen Berg und Aussicht geniessen. Die schönen Bilder einsaugen. Kraft tanken. Aufgrund der leicht unter dem momentanen Arbeitspensum leidenden, mangelhaften Kondition muss zumindest das „rauf“ gefahren werden – soviel stand fest. Das „runter“ kann man dann ja laufen. Herr M. und ich waren uns einig. Guter Plan.

Guter Plan? Ha! Umgehend meldete sich das Angst-Zentrum. Hey, sagte es, du willst auf einen Berg? Wohl nicht etwa mit einer dieser schlimmen Bergbahnen? Du hast Höhenangst – du wirst ja wohl nicht… Wusch. Wusch. Wusch-Wusch. Ich schüttelte den Kopf wie ein nasser Hund und wuschte die Gedanken weg. Ich lasse mir durch meine Höhenangst keinen Strich durch die Rechnung machen. Basta. Ab gehts!

Zustand bei der Hinfahrt: Nicht nervös. Zustand beim Ticketkauf: Leicht nervös. Zustand beim durchschreiten des Kontroll-Drehkreuzes: Sehr nervös. Das Geräusch der eintreffenden und wieder losfahrenden Sessel wiederspiegelte meinen Zustand. Kschhhh-Rattata-Ghhhhrrrgggg-Rattataaaa-Flllhhhttttthhhh….. Ja, kommt gut hin.

Herr M. zögerte nicht lange und wies mir mit verständnisvollem Nachdruck einen Platz auf einem der langsam vor sich hinruckelnden Sesseln zu, den ich durch nervöses Hin- und Herspringen erst noch dreimal wechselte. Als ich dann sass zischte ich ihn an, er solle gefälligst umgehend dieses Metallgestänge herunterziehen. Geduldig aber auch mit einem etwas fiesen Grinsen tat er wie geheissen und ich konnte mich endlich an etwas festklammern. Und schon gings los. Rattataaa-Flllhhhtttthhhh… der Sessel schwebte innert Sekunden in luftiger Höhe und ich brabbelte nur noch panisch „Oh Gott, oh Gott“ und klammerte mich fest.

Schau, wie schön – und gar nicht hoch! Die Dinger sind ja auch sowas von sicher. Es ist gar nicht schlimm, siehst du… Herr M. tat wirklich alles, um es mir leichter zu machen. Sehr nett. Danke auch. Aber wir schwebten zu hoch in der Luft, um auf irgendetwas eingehen zu können. Darum winselte ich weiter vor mich hin und versuchte den lästigen Höhenschwindel in den Griff zu bekommen. Die kleinen Feldmäuse auf der Wiese unten reckten die Hälse zu uns hoch und sangen „Auf dem Boden da ist’s schön, auf dem Boden da ist’s sicher….“. Die Grashalme wippten fröhlich im Takt des Mäuseliedes und die Äste der Bäume streckten sich bedrohlich nach unserem wackeligen Gefährt – vermutlich um es aus der Bahn zu stossen. Meine Hände krallten sich gleichermassen in Mann und Sesselbahn.

Da, schau mal dieser schöne See… Herr M. drehte sich Richtung Tal und fuchtelte freudig mit den Armen –  und meinem Empfinden nach wackelte unser Sessel so, dass er zu drohen kippte. Ich nötigte ihn mit dramatisch herausgepressten, verbalen Ergüssen dazu, sich wieder ganz ruhig hin zu setzen und sich gefälligst nicht mehr zu bewegen. Der arme Kerl. Vermutlich lief er in Kürze blau an, weil er sich nicht einmal mehr zu atmen getraute. Das traf dann aber zum Glück nicht ein.

Irgendwann schloss ich dann doch die Augen, zu steil, zu hoch und zu schrecklich war es. Verkrampft presste ich Anordnungen heraus: Sag mir wie weit es bis zum nächsten Masten ist. Wann sind wir oben… undsoweiter. Geduldige Antworten mit präzisen Angaben folgten.

Endlich. Rattataaa-Flllhhhtttthhhh… wir waren oben. Endlich! Nie wieder! Nie, nie, nie wieder! Metallgestänge weg, zittriger Stand auf sicherem Boden. Halleluja! Mein neues Motto: Leben statt schweben!

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2 thoughts

  1. Da frage ich mich wo die Bilder a-u-s d-e-m Sessel sind… Ich bin sicher Herr M. hätte eine paar grandiose Schüsse tätigen können. Von Natur & Sesselbenutzerin.

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