Popstars

Arme Jungs. Arme Mädels. Arme Sternchen. Arme Pop-Sternchen. Genauer gesagt, angehende Pop-Sternchen. Eigentlich auch nur möglicherweise angehende Pop-Sternchen.

Es flimmert wieder. Über die Bildschirme der erprobten Zuschauerschaft. Da ist Hoffnung der Nachbar der Enttäuschung. Da ist Zuversicht die Schwester der Angst. Da ist viel ich und wenig wir. Und da ist Glitzer und Glamour. Eigentlich glitzert es mehr als es glamourt. Und primär glitzert es in den Augen der Protagonisten. Träume werden geschaffen und achselzuckend wieder vernichtet. Karrieren werden angestossen und kurz darauf gut in Szene gesetzt über den Bühnenrand gekippt. Freundschaften werden gefördert um fast chancenlos auf die Probe gestellt zu werden. Sensibler Selbstwert wird aufgebaut um dann mit bedauerndem Blick ausgeweidet und auf dem Silbertablett serviert für die Quoten geopfert zu werden.

Ich bin gerührt und geschüttelt.

Das Rezept ist einfach. Man nehme ein liebes, nettes Musterkind, welches früher auf der Hauptschule beim Kanon-Singen Bestnoten bekam und Mutti immer schön im Haushalt geholfen hat. Dazu ein Ghetto-Girl mit Strafregistertendenz und fiesem Blick, der vom üblen Leben am Rande der Gesellschaft erzählt. Weiter ein vaterlos aufgewachsenes Geschöpf voller Wut und Orientierungslosigkeit und mit einem Drang zum schlichten. Gesetzt ist auch der Tattoo-übersähte Moppel in Rockerkluft mit in zwanzig Tagen gewachsenem 3-Tage-Bart und mit dem geheimen Wunsch nach einem Einfamilienreihenhaus. Nicht fehlen darf das urbane, aufgedrehte Magermodel mit Flair zum Trend und obligater Pudernase. Migrationshintergrund liefert der feurige Charakter mit krausem Wuschelhaar, anstossender Zunge und einnehmendem Hüftschwung. Und ein kleines, scheues Rehlein mit Klimperblick, Heimweh und Umstylingbedarf.

Eine wichtige Zutat ist die natürlich auch die Jury. Eine Portion sympathisches Urgestein mit hochentwickeltem Gerechtigkeitssinn, überentwickelten Tränendrüsen und dem one and only Hüftschwung überhaupt. Dann meistens ein zu klein geratener, erfolgreicher Musikbranchen-Mann und mit trotz lautem Bellen für sich gepachteter Unscheinbarkeit. Und dann noch eine Frau, sexy, durchgedreht oder mit Akzent – Hauptsache Frau.

Alles gut mischen. Im richtigen Moment das Wichtige ins richtige Licht rücken, damit sich alle gut fühlen (das war Hammer, echt Hammer – weiter so, so muss ein Star sein). Und dann im schlechtesten Moment alle Fehler ins richtige Licht setzen (das war jetzt aber echt Scheisse – warum bist du hier, was soll das) und der Welt die Wunden zeigen.

Dazu noch ein paar sexy Klamotten. Flotte Musik. Unkontrollierte Aussagen. Gut gemeinte Gemeinheiten. Schöne Bilder. Scheinwerfer. Euphorie. Verzweiflung. Menschliche Menschen. Unmenschliche Zustände.

Das Ganze ein paar Monate flimmern lassen. Die jungen Menschen konstant überfordern. Dann die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen. Und gut ist.

We love to entertain you. Ich bin geschüttelt- aber nicht gerührt…