Kinderpost

Die Kinderpost war der helle Stern am Horizont meines ansonsten reichlich unordentlichen Kinderlebens. Wirklich, ich war ziemlich unordentlich als Kind. Aber nicht, wenn es um die Kinderpost ging. Das war eine Oase, in welcher ich Ordnung schaffen konnte.

Bei den kleinen Briefmarken, Couverts, Postkarten und Express-Klebern. Jööh, so härzig so minzig-minzig kleine Briefmarken, Couverts, Postkarten und Express-Kleber. Sortieren, zählen, einteilen, gruppieren. Cool! Ich denke, dies war der Moment, in welchem ein Teil meines inneren Strukturfreaks geboren wurde!

Nur den Pappkarton-Klapp-Kundenschalter selber fand ich nicht so toll, den ganzen Bürokram aber sehr wohl. Es ist schon eine Ecke her und darum gab es damals als einziges Spielzeug in diese Richtung die Kinderpost.

Ich liebte sie heiss und das einzige, was mich störte, war das Gelb. Die gelben Autos, die gelben Pöstler – wem bitteschön steht schon dieses schreckliche Gelb. Es war so… Gelb halt. Nun, es wurde in meinem Geschmacksempfinden als „nicht schön“ deklariert. Definitiv.

Neulich stand ich in der Post und wartete. Mein Blick blieb fasziniert an der neusten Version der Kinderpost hängen. Und daneben, kaum zu glauben, gab es ein Ersatz-Set für die Kinderpost – das Kinderpost-Zubehör. Ohne diesen ollen Pappkarton-Klapp-Kundenschalter. Das wäre die perfekte Lösung in meiner Kinderheit gewesen. Aber wie gesagt – das ist schon eine Ecke her…