Zwerge sprengen

Herr M. und ich wurden Zeugen, wie Zwerge gesprengt wurden. Ordentliche, gutbürgerliche Gartenzwerge werden ordentlich aber überhaupt nicht gutbürgerlich in die Luft gesprengt. Dahinter stecken nicht etwa autonome Aktivisten oder gedankenlose Wandalen. Im Gegenteil. Zwerge sprengen ist eine alte Familientradition. Eine der wenigen offensichtlichen Konstanten einer Familie, in deren Geschichte sich ein Jeder irgendwo wieder findet. Ob er will oder nicht.

Christof Schertenleib hat es geschafft, den Zuschauer gnadenlos an den Film zu fesseln. Mit authentischen Schauspielern, die ihre Plätze so selbstverständlich einnehmen, dass man schon fast versucht ist zu glauben, dass ihre Rollen einem guten Stück ihres eigenen Lebens ganz schön nahe kommen. Mit einer Kameraführung, die einen Tick zu nahe am Geschehen ist. So nahe, dass man sich nicht entziehen kann. So nahe, dass es fast unangenehm ist aber man auch auf keinen Fall weiter weg sein möchte.

Die Geschichte, die einem in den Bann zieht, rollt sich gnadenlos aus und schafft unmittelbaren Bezug zum eigenen Leben, auf verschiedenen Ebenen. Er startet harmlos – hier ein alltägliches Geplänkel und da ein Bisschen Einblick in das Leben einer typischen Schweizer Familie. Eine kleine, oberflächlich heile Welt. Darunter brodelt es. Wie es in jedem von uns brodelt, wenn wir so leben wie wir sollen und nicht wie wir wollen. So wie es brodelt, wenn es Dinge im Leben gibt, die es besser nicht geben würde aber denen man sich nicht entziehen kann.

Die Protagonisten kann man innert Kürze in die dafür geschaffenen Schubladen stecken. Und man freut sich auf das, was noch kommt, weil man es aufgrund seiner eigenen Erfahrung mit diesen Schubladen kennt und entsprechend erwartet. Die Schubladen sind aber keineswegs unspektakulär gefüllt – jede hat ihre überraschenden dunklen Winkel. Und dann zieht die Geschichte immer engere Kreise, der Strudel des Geschehens hat einem fest im Griff . Man will darin versinken und sich gleichzeitig daraus befreien. Weil es so verdammt nahe kommt und schlussendlich auch so nahe ist.

Manch einer sitzt da und möchte rufen: So ist es. Genau so ist es, das Leben und mein Gott, morgen tue ich endlich, was ich schon lange tun wollte! Und es ist wie im Film: Manch einer tut es und manch einer tut es nicht und es kommt trotzdem gut. Zumindest so, wie es zu erwarten war. Nunja, schlimmer kommen können hätte es auch!

Freunde des Films: Geht hin, lasst euch darauf ein und lebt (endlich) so, wie ihr wollt! Und wenn ihr dazu Zwerge sprengen müsst.
http://www.arthouse.ch/film/zwergesprengen.html

Fotoquelle: www.arthouse.ch