Game-Set-Match-Auto

Es ist soweit. Die Phase, in der Frau W. voll und ganz auf den öffentlichen Verkehr gesetzt hat ist vorbei. Game-Set-Match Auto.

Ich war willig. Wirklich bereit, es zu versuchen. In guten und in schlechten Zeiten. Mit schweren und leichten Taschen. Bei Regen und Sonnenschein. Bei leerem und vollem Bus. Vor offenen und verschlossenen Türen. Mit und ohne Verspätung. So sollte es sein.

Die ersten Monate waren easy. Irgendwie auch entspannend. Und gezeichnet von heroischem Stolz. Die totale Idealisierung des öffentlichen Verkehrs prägte das Dasein. Lautstarkes betonen, wie wenig das Auto fehlt und wie sensationell gut alles mit öV und Mobility machbar ist. Demonstratives Vorfahren mit dem rostigen Drahtesel. Zufälliges Präsentieren der ZVV-Bonuskarte beim öffnen des Portemonnaies. Ich bin auch ein öV.

Drei Mobility-Gurken und etliche Tramfahrten später hielt die Ernüchterung Einzug. Die ersten Gedanken wie „jetzt mal schnell ins Auto und xy“ schlichen sich durch die Hirnwindungen… xy ist übrigens beliebig zu ersetzen, z.B. durch „Pflanzen für den Balkon holen“. „Freunde auf dem Land besuchen“. „Mineralwasser ins Büro transportieren“. „Golfen/Skifahren/Badminton spielen gehen“. „In das entlegene Wellnesshotel im Tirol düsen“. Und so weiter.

Auch die Ausweichs-Variante mit dem Flitzer von Herrn M. war ein zu seltenes, dann aber umso geliebteres Spektakel. Aber selten ist eben selten – und selten traf sicher nicht dann ein, wenn der Bedarf am dringendsten war. Darum ist es ja auch der Flitzer von Herrn M.  – und nicht meiner.

Kurzum, anderthalb Jahre später und nach ein paar Schlüsselerlebnissen (mit einem Mobility-Auto am Hang in den ersten Gang schalten zu müssen damit es überhaupt noch weiter fährt geht gar nicht) war es soweit. Die seit Monaten nagenden Gedanken haben einen historischen Sieg errungen und die Macht übernommen. Die heisse Phase wurde eingeläutet.

Das Feld wurde von hinten aufgerollt. Am neuen Arbeitsort schwanden die Parkplätze. Die Taktik hiess: Zuschlagen bevor der letzte Platz weg ist. Gesagt getan. Parkplatz reserviert. Da stand ich nun, mit meiner ZVV-Bonus-Card auf dem leeren Parkplatz. Schön, prima. Da musste doch einfach ein Auto drauf, was für eine logische Schlussfolgerung – und so verständlich.

Dann waren da zwei rettende, clever-smarte Engel, die im richtigen Moment vorbeiflatterten und mir Tür und Tor zum Glück auf vier Rädern öffneten. Meine Mini-Helden ganz gross.

Und nun ist es endlich soweit. In zwei Tagen hole ich mir meinen „Warm-up-Wagen“ ab.  Eine kleine Gedulds-Runde im Namen des guten Geschmacks. Denn mein Wunderwerkt auf vier Rädern wird erst in ein paar Wochen geliefert. Mein Baby wird nach meinen Wünschen zusammengeschustert. Und dann rollt es auf mich zu, blinkert mich mit seinen süssen Nebelscheinwerferchen an, schnaubt durch seine hübschen Ventilchen und öffnet mir die Türen… Welcome home…