Parkplatzereien

Es ist der vierte freie Tag in Folge. Die Sonne scheint, ein laues Lüftlein weht – das Leben ist gut.

„Das ist aber kein Parkplatz hier“.
Ein grauhaariger Mann, Typ unzufriedener Socken-in-den-Sandalen-Träger im Rentneralter meckert vor seinem Kaffee sitzend aus dem nahen Restaurant in meine Richtung. Seine Frau nickt zustimmend.
„Auch Ihnen einen wunderschönen guten Tag“ sage ich und suche meine Sachen im Auto zusammen.
Der Rentner fuchtelt mit seiner Mütze in meine Richtung.
„Das ist kein Parkplatz hier“.
Er fuchtelt von links nach rechts.
„Hier. Verboten. Kein Parkplatz“.
Ich lächle freundlich „Vielen Dank für den Hinweis.“
„Sie dürfen hier nicht parkieren und das Auto stört uns beim Kaffeetrinken“.
„Das tut mir sehr leid zu hören – ich stelle es gleich wieder weg“ sage ich immer noch lächelnd und hole weitere Taschen aus dem Auto.

Ich habe fest vor, mir die Laune nicht verderben zu lassen. Wie gesagt. Es ist der vierte freie Tag in Folge. Die Sonne scheint, ein laues Lüftlein weht – das Leben ist gut.

„Nein“ keift er „jetzt. Sonst rufe ich die Polizei“.
Ich stelle meine Taschen auf den Boden und gehe ein paar Schritte auf das Ehepaar zu.
„Das wird nicht viel nützen, denn das hier ist Privatgelände. Aber ich stelle das Auto so rasch wie möglich weg, damit sie sicht nicht weiter daran stören müssen.“ Ich lächle die beiden an.
Lächeln und freundlich sein hilft eigentlich fast immer bei so unzufriedenen Zeitgenossen – aber der Rentner muss wohl seiner Frau beweisen, dass er ein Mann ist. Wenn auch ein Mann mit Socken in den Sandalen.

„Um so schlimmer wenn es Privatgelände ist“ ereifert er sich. „Es meinen immer alle, sie können ihre Autos hinstellen wo sie wollen in der Stadt. Wo sie wollen. Eine Schweinerei!“.
Er fuchtelt mit seiner Mütze und seine Frau nickt mit grossen Augen und versteckt sich hinter ihrer Kaffeetasse.
„Da stimme ich Ihnen zu, ich störe mich auch oft daran“. Ich finde die Sache langsam lustig, denn ich kenne ja den Ausgang bereits.
„Jetzt werden Sie nicht frech und stellen sofort ihr Auto weg. Leute wie Sie sind eine Zumutung. Die armen Anwohner! Sie stehen ja direkt vor der Haustüre“.
„Ja, die Anwohner leiden immer wieder unter solchen Situationen“ sage ich zustimmend.
„Frechheit“ schnaubt der Rentner und schaut sich um, ob er bei den restlichen Restaurantgästen Zustimmung erhält. Die interessiert die Situation aber herzlich wenig.

Die Gesichtsfarbe des Rentners gleicht allmählich der roten Handtasche seiner Frau. Das kann nicht gesund sein, denke ich mir und erlöse ihn. Ich krame meinen Hausschlüssel hervor, drehe mich zur Haustüre um und schliesse sie auf. Hinter mir japst es. Ich arretiere die Türe, hole die restlichen Taschen und trage sie ins Haus. Bevor ich die Türe zufallen lasse, drehe ich mich zu dem Ehepaar um. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen, gelassenen und freudigen Nachmittag“. Der Rentner japst immer noch mit hochrotem Kopf und seine Frau verschwindet fast ganz hinter der Kaffeetasse.

Als ich kurz darauf das Auto wegstelle, sind die beiden Rentner weg. Nur die beiden Kaffeetassen stehen noch da und ein Hauch von Socken-in-den-Sandalen liegt in der Luft.

Es ist der vierte freie Tag in Folge. Die Sonne scheint, ein laues Lüftlein weht – das Leben ist gut.