Barbie

Ich hatte als Kind nie eine Barbie-Puppe.
So. Jetzt ist es raus.

Nun, ich hatte eine Cindy-Puppe.
Die war eigentlich fast eine Barbie-Puppe.
Nur etwas rundlicher, fraulicher, realistischer.
Pädagogisch wertvoll.

Ich fand sie doof.
Ich wollte eine Barbie.
Keine Cindy.

Alle meine Freundinnen hatten Barbie-Puppen.
Nur ich hatte die pädagogisch wertvolle Cindy-Puppe.
Was gut gemeint aber für mein Seelenwohl überhaupt nicht gut war.

Ich habe ihr die Haare geschnitten.
Ich habe ihre Beine wegen des schrecklichen Unfalls mit Mehlpampe eingegipst.
Und ich habe ihr die kurzen blonden Haare dann auch noch mit Tinte blau gefärbt.

Also, ehrlich gesagt – ich hätte das vermutlich auch mit einer Barbie-Puppe getan.
Das mit den Haaren. Schneiden und färben.
Der Unfall war ein schrecklicher Zufall.
Wirklich.

Und nun verhält es sich wie folgt.
Jedes Jahr, wenn ich vor Weihnachten durch die Läden streife passiert es.
Ich bleibe bei den Barbie-Regalen stehen.
Ich meine, die haben sich ja extrem entwickelt.
Zubehörsmässig und so.
Ich vermute, dass sie ihnen inzwischen sogar ein paar Gehirnzellen zugestanden haben.

 

Da stehe ich also und überlege mit rund 41 Jahren,
ob ich mir jetzt doch mal noch eine Barbie-Puppe kaufen soll.

Was dann?
Ich würde sie kaufen. Mit ihr spielen. Sie fotografieren.
Sie dann von kleinen Schweinen umzingeln und verjagen lassen.
Oder sie in eine Schublade stecken oder weiterschenken.

Ob sich mein Trauma dadurch in Luft auflöst,
darf in Frage gestellt werden.

Es ist einfach gut zu wissen,
dass ich es heute jederzeit tun könnte.

Barbie – vielleicht werden wir also doch noch Freundinnen.

PS. Ken fand ich immer doof.

 

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