Tag 4 der #Tweloreise: Nass

Der Blick in die Wetter-App liess mich um halb 8 Uhr zurück ins Kissen sinken. Der Regenradar zauberte wunderschöne bunte Farben auf das Display. Und diese Farben flüsterten das Wort Regen. Und Regen. Und, wow – nochmals: Regen. Gemäss den aktuellen Vorhersagen sollte es zwischen 10 und 12 Uhr auf meiner Route von Davos nach Bad Ragaz ein paar Regen-Lücken geben. Was an sich keine Rolle spielte, denn ich würde länger unterwegs sein und somit mit grosser Wahrscheinlichkeit zünftig nass werden. Ich hatte noch nie Mühe, wenn ich verregnet wurde – solange ich gute Kleidung dabei hatte und nicht fror. Also packte ich die Gepäcktaschen so, dass ich das Regenzeug schnell zur Hand hatte und wählte etwas wärmere Bekleidung.

Nach dem Frühstück und einer netten Verabschiedung im Hotel Grischa zog ich los. Das Wetter war schon etwas gruselig und ich hoffte, dass es wenigstens ein paar Regenpausen geben würde. Am Bahnhof in Klosters regnete es gerade nicht und nach einer netten Unterhaltung mit einer jungen Frau, die auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle in einer SAC-Hütte war, gab es keinen Grund mehr zu zögern. Ich sauste hinunter ins Tal und begegnete nur sehr vereinzelt irgendwelchen Menschen. Bald schon erhob sich hoch über mir die mächtige Umfahrungsbrücke. Bei diesem trüben Wetter wirkte sie irgendwie gruselig. Eine perfekte Kulisse für einen Thriller. Fehlte nur noch die Filmmusik, dachte ich fröstelnd und trat etwas schneller in die Pedale.

Und dann war da auf einmal an einem der Velorouten-Wegweiser ein Schild: „Umleitung wegen Unwetterschäden“. Ich blickte in Richtung des Umleitungspfeiles und der Blick führte mich einer sich nach oben schlängelnden Strasse entlang. Ich war kurz versucht, täubelnd aufzustampfen aber das hätte mir ja nichts gebracht. Statt also weiter das Tal hinunter zu flitzen, keuchte ich die Strasse hoch und befand mich Minuten später wieder auf der Veloroute, die ich in Klosters extra nicht gewählt hatte. Die Umleitung an sich war gut angeschrieben aber ich dachte mir, dass man die Routensperrung ja bereits schon in Klosters hätte anschreiben können.

Die Veloroute schlängelte sich mal dem Fluss, mal der Strasse entlang und dann wieder über Felder und durch Dörfer, immer weiter das Prättigau hinunter. Es ging bei weitem nicht immer bergab und mit dem zwischenzeitlich eingesetzten Regen war die Fahrt zeitweise durchaus eine zähe Sache. Irgendwo in einem Industriequartier hatte ich mir die Regenkleider übergezogen und so dicht die Kleidung auch war, darunter schwitzte ich wie in einer Sauna.

Die Route führte dem Fluss entlang nach Landquart hinein und ich war wieder gut im Tritt. Wenige Meter vor mir sah ich eine Bewegung am Wegrand. Ich blinzelte durch die verregneten Brillengläser. Oh. Eine Ratte. Und dann im Gebüsch auf der rechten Seite nochmals eine. Ich wusste nicht, ob ich bremsen oder erst recht so schnell wie möglich weiterfahren sollte. Aber warum sollte ich auch Angst vor den Viechern haben, ausser…. in genau diesem Moment flitzte eine weitere Ratte von der einen auf die andere Seite. Und zwar genau dann, als ich an ihr vorbeifuhr. Ich fühlte einen Schlag und mein Hinterrad rumpelte. Abgesehen von einem besorgten Gedanken an das Tier war es schlicht und einfach ein ekliges Gefühl. Ich bremste und blickte zurück. Wohl hatte ich die Ratte touchiert aber sie war bereits wieder in der dicht bewachsenen Böschung verschwunden. Am Bike war nichts zu sehen und ich sah zu, dass ich wegkam.

Das letzte Stück nach Bad Ragaz fuhr ich mehrheitlich dem Rhein entlang, durch eine wunderschöne Allee. Kurzzeitig führte die Route an der nahen Autobahn entlang, was weniger schön war. Aber immerhin war es spannend, die Autobahnrastätte „Heidiland“ einmal aus dieser Perspektive zu sehen. Inzwischen regnete es diesen „ich-höre-nie-mehr-auf-Regen“ und wenn ich den Kopf nach vorne senkte, schwappte das Wasser nur so vom quietschgelben Helmregenschutz, welchen ich vor der Reise von Veloplus geschenkt bekommen hatte.

Triefend nass und verschwitzt fuhr ich in Bad Ragaz ein und folgte den Wegweisern zum Tourismusbüro. In ganz Bad Ragaz befinden sich Wegweiser zu den verschiedenen Attraktionen und Servicestellen – echt gut gemacht. Da ich mich nach einer warmen Dusche sehnte und danach die Tamina Therme besuchen wollte, entschloss ich mich, Tabitha von Heidiland Tourismus noch vor dem Hotel-Checkin zu besuchen. Sie hatte mir über Twitter ein Souvenier angekündigt. Erst später wurde mir bewusst, dass ich die ganze Zeit noch meinen Velohelm mit dem Regenschutz trug. Das Ding wächst mir mal noch an, so bequem ist es. Vermutlich bot ich ein ziemlich lustiges Bild.

Kleine Wasserlachen bildeten sich um meine Füsse, als ich im Tourismusbüro auf Tabitha wartete, welche von den freundlichen Mitarbeiterinnen angerufen wurde und auch gleich noch Zeit hatte. Wir hatten uns – so ist das auf Twitter oft – noch nie gesehen aber ich schloss sie gleich ins Herz. Heidiland Tourismus machte mir ein sehr grosszügiges Geschenk. Ich erhielt eine coole Sigg-Flasche und – ich bin heute noch hin und weg – einen Rundum-Wohlfühl-Eintritt in die Tamia Therme. Lucky me!

Der Rest ist Genuss pur. Nach einer schnellen Dusche im Hotel zog ich los zur Therme und genoss dort die verschiedenen Bäder. Herrlich und eine Empfehlung wert! Von dem Bezahl-System (mit einem Chip am Armband) könnte sich so manches Openair eine Scheibe abschneiden.

Zurück im Hotel versuchte ich, meinen Tag via TV-Internet zu verbloggen. Leider war das gar nicht so einfach und die Bedienung sehr mühsam. Als ich das am nächsten Morgen beim Checkout äusserte, wurde mir die Gebühr erlassen, was ich wiederum sehr aufmerksam fand. Das Hotel Tamina liegt mitten in Bad Ragaz, gleich nebem dem Tourismusbüro. Mein Zimmer lag zwar zur Strasse aber die Fenster isolierten allfälligen Lärm gut. Die Nespresso-Maschine im Zimmer war eine tolle Sache, so konnte ich zwischen Dusche und Gepäck auspacken noch kurz einen Kaffee geniessen.

Am Abend traf ich dann Freunde aus Bad Ragaz zum Abendessen in Saras Cottage. Das Lokal ist kuschelig und mit viel Herzblut geführt, das Essen sehr lecker. Wir verbrachten eine tolle Zeit und ich schlenderte nach dem Essen zufrieden ins Hotel zurück. Ich fragte mich, wohin mich der Weg am nächsten Tag führen würde und mit diesem Gedanken tauchte ich in meinen wohlverdienten Erholungsschlaf ab.

image

One thought

Kommentare sind geschlossen.