Die Tage 9 und 10 der #Tweloreise

An Tag 9 erwachte ich und sah dem durch den Vorhang fallenden Licht an, dass das Wetter nicht schön war. Also liess ich mir Zeit und trödelte beim zusammenpacken meiner sieben Sachen. Das Frühstücksbuffet im Hotel SwissEver war so wie ein Frühstück halt ist, wenn der Sparstift an diesem Punkt angesetzt wird. Eigentlich schade, denn das Hotel machte sonst einen guten Eindruck. Aufregend beim Frühstück war einzig die Präsenz der Polizei in der Hotelhalle und die Tatsache, dass die vierköpfige Familie am Nebentisch sämtliche Brotrinden übrig liess und nur die weichen Brotbestandteile vertilgte.

Nachdem ich am Vortag mein Velolicht mit den Kleidern mitgewaschen hatte, blinkte es nur noch halbherzig vor sich hin und reagierte auf gar nichts mehr. Ein wunderbarer Grund, in den Stöckli Store gleich neben dem Hotel zu marschieren und ein neues Licht zu kaufen. Ich kam dabei ins Gespräch mit dem einen Bike-Mechaniker und er bot an, mein Bike ganz kurz zu checken, damit ich eine sichere Weiterfahrt habe. Einzig meine Wechselpedale in Kombination mit meinen Schuhen fanden seinen Zuspruch nicht, da für mein Vorhaben zu wenig komfortabel und auch zu unsicher. Ich erklärte ihm, dass ich auf Klickies verzichtet hatte, da ich sonst mit den Schuhen an den Gepäcktaschen anstiess. Er zeigte mir neue, flachere und breitere Pedale mit Stiften (Shimano PD-MX80) , welche einen genialen Halt geben würden. Ich testete die Pedale und war bereits nach den ersten Metern Fahrt begeistert – was für ein Unterschied. Schnell war der Kaufentscheid gefallen und ich sollte diesen nicht bereuen.

Die Fahrt auf der offiziellen Veloroute Nr. 9/Seen-Route nach Luzern war nicht berauschend, da sie oft an Strassen und der Autobahn entlang führte. Dennoch gab es auch hier schöne Flecken und mit dem Bike in Luzern einzutreffen bot mir einen ganz neuen Blick auf diese Stadt, in der ich bisher nur mit dem Zug oder Auto gewesen war.

Luzern selber quoll an diesem Nachmittag vor lauter Touristen über und ich verzog mich auf die etwas ruhigere Seeseite beim Schweizerhofquai. Im Hotel Schweizerhof hatte ich eine kostenlose Übernachtung für meine #Tweloreise angeboten bekommen, doch leider war das Hotel an diesem Tag ausgebucht. In Luzern war wirklich viel los und ich wurde auf eine Empfehlung hin im  Hotel Balm in Meggen fündig, wo ich das letzte verfügbare Zimmer buchte. Das Preis-Leistungsverhältnis im Hotel stimmte für mich absolut. Mein Einzelzimmer war gross und hatte eine Terrasse zur Seeseite. Dort setzte ich mich an die Sonne und genoss den fantastischen Ausblick. Am Abend war ich bei @wolkenpumpe zu Besuch und wurde mit super Wein und einer herrlichen Käse- und Fleischauswahl verwöhnt. Ein weiterer schöner Abend auf meiner #Tweloreise!

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Nach einer löchrigen Nacht startete ich müde und nicht besonders gut gelaunt in Tag 10 meiner Reise. Verschiedene Mücken und ich hatten uns in der Nacht ein Katz- und Maus-Spiel geliefert und die Mücken waren dabei klar im Vorteil geblieben. Das Frühstücksbuffet vermochte meine Laune mit einem frischen und reichhaltigen Angebot deutlich zu heben.  Ich entschloss mich, an diesem Tag nach Brienz zu fahren, plante jedoch von Anfang an den Zug für die Teilstrecke über den Brünig ein. Für die ganze Strecke war ich einfach zu müde und fühlte mich nicht fit genug.

Die Fahrt durch Luzern war mühsam – wie eigentlich durch jede Stadt. Nach den ruhigen Fahrten über Land fiel mir die Hektik und das hohe Verkehrsaufkommen wohl einfach auch deutlicher auf. Aber schon bald hatte ich Luzern hinter mir gelassen und fuhr Richtung Hergiswil/Sarnen. Eine schöne und abwechslungsreiche Route dem See entlang. Als ich dann in letzter Minute den Zug bestieg, löste ich noch auf dem Weg in den Zug meine Tickets per Handy. Was zu einer doch reichlich seltsamen Unterhaltung führte, als die Zugbegleiterin nach den Tickets fragte. Ich streckte ihr lächelnd mein Handy entgegen. Sie scannte die Codes ein und gab mir mein Handy zurück und sagte mit hochgezogenen Augenbrauen:  Jetzt haben Sie aber Glück.

Ich: Ja, ich bin wirklich froh, den Zug noch erwischt zu haben, sonst hätte ich eine Stunde warten müssen.
Sie: Nein, wegen dem Velo-Ticket.
Ich: Oh, warum denn?
Sie: Sie haben es zu knapp gelöst.
Ich: Um 12.06 Uhr.
Sie: Ja genau.
Ich: Und warum ist das zu knapp?
Sie: Weil die fahrplanmässige Abfahrt um 12.06 Uhr ist.
Ich: Na, dann ist doch gut.
Sie: Nein, Sie müssen das Ticket korrekt lösen.
Ich: Dann wäre aber erst 12.07 zu spät gewesen, richtig?
Sie: Nein, schon um 12.06.
Ich: Das verstehe ich nicht, das war doch gerade noch rechtzeitig…
Sie: Nein.
Ich: Warum genau?
Sie: Ich lasse es Ihnen ja durchgehen aber eigentlich wäre das Ticket nicht gültig.
Ich: Aber warum genau? Ich habe es ja pünktlich gelöst.
Sie: Das dürfen Sie so aber nicht. Aber ich bin grosszügig, es ist schon gut.
Ich: Das müssen Sie doch gar nicht sein, es ist doch alles korrekt…

Sie schnaubte davon und ich lehnte mich immer noch leicht irritiert zurück und genoss dann aber die Fahrt durch die wunderschöne Landschaft.

Auch in Brienz tummelten sich Unmengen an Touristen und ich brauchte ein paar Anläufe, um ein Hotelzimmer zu finden. Direkt am Bahnhof und der Hauptstrasse gelegen, war das Hotel Weisses Kreuz bei weitem nicht meine erste Wahl aber das Zimmer war OK und ich hatte einen schönen Blick auf den See. Zudem war das Personal sehr nett und ich durfte mein Bike sicher im Keller unterstellen. Später dann schlenderte ich dem See entlang, setzte mich auf eine Bank. Wie viele Wochen hatte ich doch am Brienzersee schon verbracht, als Kind und später auch als Erwachsene. Es gab viele schöne Erinnerungen aber auch einige gemischte Gefühle zu Brienz und speziell diesem Datum.

Als ich später auf dem Bett lag und begann, an diesem Blogpost zu schreiben, erhielt ich überraschend einen Anruf meines Lieblingsmenschen. Wie wenn er es gespürt hätte, dass ich nicht meinen besten Tag hatte, kündigte er trotz viel Arbeit und langen Tagen seinen Besuch an und stand zwei Stunden später auf der Matte. Wir verbrachten einen sehr schönen Abend bei gutem Essen und tollen Gesprächen – wie wohltuend! Wieder vollends gut gelaunt und zufrieden sank ich spät am Abend ins Bett und freute mich auf den kommenden Tag.

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