Die Tage 11 und 12 der #Tweloreise

Tag 11 der #Tweloreise. Der erste Blick aus dem Fenster war atemberaubend. Über dem Brienzersee lag noch ein leicht nebliger Hauch und die Bergsilhouetten zeichneten eine scharfe Kante in den blauen Himmel. Weniger atemberaubend war dann das Frühstück im Hotel Weisses Kreuz. Es war mit Abstand das schlechteste Angebot auf der ganzen Reise. Als ich in das Croissant beissen wollte, zerbrach es in meinen Fingern. Das passiert halt bei alten Croissants. Halb so wild – ich ass dann einfach zwei Stücke trockenes Brot. Auch wenn das Personal nett und das Zimmer sauber war, Preis/Leistung in diesem Hotel stimmten nicht. Das erste Mal auf der #Tweloreise reute mich das Geld für die Übernachtung beim Check-out.

Entschädigt wurde ich dann aber wieder durch die magische Stimmung mit den unglaublich schönen Farben am Brienzersee. Ich fuhr früh los, damit ich in Bern noch etwas Zeit zum bloggen hatte. Auch heute bewältigte ich einen Teil der Strecke mit dem Zug und übersprang so dann auch den Thunersee. Ab Thun schlängelt sich der Aare-Veloweg durch die schöne Landschaft, einmal näher an der Aare, dann wieder weiter weg übers Land und durch Waldstücke. Eine ruhige und wohltuende Fahrt bei schönem Wetter. Bei einer Eisenbahnbrücke kreuzten sich die Wege eines einheimischen Bikers, eines pensionierten Radwanderers und mir. Es entstand ein nettes Gespräch und der einheimische Biker gab uns wertvolle Tipps für die weitere Route. Unsere Wege trennten sich dann wieder, ich verliess die offizielle Route und fuhr auf dem Geheimtipp-Weg weiter. Ein schmaler Weg führte durch den Wald direkt an der grün leuchtenden Aare entlang. Hammerschön!

Früher als geplant traf ich in Bern ein, auch hier fand ich den Stadtverkehr mit dem Bike nicht wahnsinnig lustig. Trotzdem drehte ich noch eine Runde zum Bundeshaus und beobachtete das bunte Treiben vor dem für mich immer aufs Neue imposant wirkenden Gebäude. Das Prozedere nach dem Check-in im Hotel hatte sich bereits gut eingespielt. Das Bike gut versorgt wissen. Taschen auspacken. Akkus aufladen. Duschen. Bike-Kleider waschen. Das Zimmer im Hotel Bern war klein aber schön und modern, ich fühlte mich sofort wohl. Das Wetter war so herrlich, dass es mich wieder nach draussen zog. Ich schlenderte ein bisschen durch die Stadt und setzte mich dann in ein Strassenkaffee, schrieb in meinem Blog, beobachtete die Leute und liess mich erst vertreiben, als ich gleich von drei Seiten mit Rauch eingenebelt wurde. Ich bin da nicht sonderlich heikel aber soviel Ignoranz war dann auch mir zuviel.

Am Abend traf ich @kusito beim Bahnhof und wir liefen durch Bern zum @Wartsaalkaffee , wobei ich gleich noch eine spannende Führung mit viel Hintergrundwissen erhielt.  Auch dieses neu entdeckte Stück Bern gefiel mir – es ist wirklich eine tolle Stadt. Trotz engem Zeitplan schaffte es @helmchenx auch noch auf einen leckeren Haus-Eistee dazu und düste dann wieder weiter. Es war ein weiterer schöner und wohltuender Abend auf meiner #Tweloreise.

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Diese Mischung war einfach toll. Am Tag mit mir selber unterwegs sein und am Abend nette Leute treffen. Natürlich war es immer etwas Glück, dass die Leute dann auch Zeit hatten. Ich wusste ja jeweils erst am Vortag oder auch am Tag selber, wo ich am Abend landen würde. Die Doodle-Umfrage war hier eine grosse Unterstützung, auch wenn ich schlussendlich nicht alle Leute treffen konnte.

Das Ziel für den nächsten Tag war allerdings schon bekannt. Ich wollte nach Langenthal, um Freunde zu treffen. Gleichzeitig wusste ich, dass @veloplus, einer meiner grössten Unterstützer bei der #Tweloreise, am Freitag Abend, bzw. Samstag Eröffnung des neuen Ladens in Zürich feierte. Eine Überlegung war, dass ich am Samstag nach Zürich zurückreisen und die #Tweloreise bei Veloplus abschliessen würde. Dies sollte ich dann auch umsetzen, auch wenn ich die Region Basel und den oberen Teil der Ostschweiz dann auslassen würde.

Doch erst noch zurück zum zwölften Tag der #Tweloreise. Nachdem ich mich mit Marcus, einem seit Ewigkeiten nicht mehr gesehenen Freund, auf einen inspirierendes Kaffeegespräch beim Bahnhof getroffen hatte, nutzte ich die Bahnhofsnähe und fuhr mit dem Zug eine Station aus der Stadt heraus. So umging ich den Stadtverkehr und landete gleich in der schönen Landschaft um Bern. Ich wählte die Route via Burgdorf über Herzogenbuchsee nach Langenthal. Der Radweg führte durch eine wunderschöne Landschaft und ich konnte mich kaum sattsehen. Allerdings war diese Idylle auch etwas unheimlich – fast zu schön um wahr zu sein. Mein Kopfkino wurde aktiviert und ich wäre überhaupt nicht erstaunt gewesen, wenn auf einmal aus einem der schön zurecht gezupften Vorgärten ein paar geigenspielende rosa Einhörner gesprungen wären. Oder Rambo mit dem Messer zwischen den Zähnen. Ausser ein paar Grashüpfern sprang aber gar nichts herum und so fuhr ich weiter staunend durch die Idylle.

Da ich für das Treffen mit meinen Freunden noch zu früh dran war, drehte ich eine Runde durch das schöne Langenthal, setzte ich mich dann auf die Terrasse eines Restaurants und zückte den Laptop, um am Blog weiter zu schreiben. Möglicherweise war das ein ungewohntes Bild – eine verschwitzte und zerzauste ortsfremde Bikerin mit Laptop, denn ich wurde angestarrt, wie wenn ich das geigenspielende rosa Einhorn aus meinem Kopfkino wäre. Die Bedienung war nett aber kurz vor Schichtwechsel. So konnte ich zwar bestellen, mein Wunsch ging aber im besagten Schichtwechsel unter. Wie auch meine Rückfrage nach W-Lan oder einem zweiten Kaffee. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass man hier eigentlich gar kein Geld verdienen wollte.

Der Abend bei und mit meinen Freunden Fluffi und Tom war wunderschön, die Gastfreundschaft der Hammer. Nach einem kühlen Bier auf dem Balkon und einem feinen italienischen Essen zogen wir durch Langenthal, wo an diesem Wochenende das Wuhrplatzfest stattfand. Ein schöner Abschluss eines tollen Tages.

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