Frau W.’s #Tweloreise Tipps & Tricks Teil 3: Unterwegs

Hier ist der 3. und letzte Teil der #Tweloreisen Tipps & Tricks und damit wohl auch der Teil, der am meisten von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben abhängt.

1. Ausrüstung (Bike, Material, Packliste)
2. Planung (Möglichkeiten für die Streckenplanung/Karten/Velowege sowie die Social Media-Begleitung)
3. Unterwegs (Hotels, öffentliche Verkehrsmittel, Verpflegung, Diverses)

Einer der Kernpunkte meiner #Tweloreise war die spontane Wahl der Tagesetappe. Mit ganz wenigen Ausnahmen wusste ich erst am Tag selber, bzw. am Vorabend, in welche Richtung mich die Reise führen würde. So entschied ich mich zum Beispiel am Starttag erst auf den ersten Metern, dass ich auf der Hauptstrasse in Lantsch rechts abbiege und Richtung Engadin fahre. Dazu ist zu sagen, dass dieses Vorgehen unglaublich viel Freiheit und Spielraum gibt. Aber es ist auch nicht immer angenehm. Das klingt vermutlich seltsam, war aber schlussendlich eine gute Erfahrung.

Ich gestand mir von Anfang an zu, Teilstrecken mit dem Zug oder Bus zurück zu legen. In der Schweiz kann das Bike fast überall mitgenommen werden. Bei gewissen Postauto-Strecken in den Bergen empfiehlt sich eine Reservation. Bei einigen gut frequentierten Zug-Strecken wird auf die hohe Belegung hingewiesen. Zudem gibt es Züge, bei denen zu gewissen Zeiten kein Veloselbstverlad möglich ist. Umfassende Informationen erhält man hier auf der entsprechenden SBB-Website.  Im Fahrplan (egal ob auf der Website oder dem SBB-App auf dem iPhone) sind die Züge gekennzeichnet, bei denen kein Selbstverlad möglich ist. Eine Velo-Tageskarte kostet CHF 12 (Halbtax) oder CHF 18 pro Velo. Fährt man an einem Tag nur eine kurze Strecke, kann sich der Kauf eines Kurzstreckentickets rechnen. Ich habe die Tickets meist via App gelöst, was praktisch ist. Aber wehe, man ist zeitlich knapp dran

Meine Erfahrungen mit dem Zug-/Bustransport waren ziemlich gemischt. Positiv ist die unkomplizierte Handhabe mit dem mobilen lösen der Tickets und die barrierefreie Bewegungsmöglichkeit auf den Bahnhöfen (Rampen, Lifte etc.). Teilweise gibt es tolle Bahnwagen, bei denen man das Bike ebenerdig in den Zug schieben kann. Oft sind es aber auch normale Wagen mit Treppen und engen Eingängen. Auch eine bei mir ziemlich unbeliebte Variante ist der Gepäckwagen, obwohl dort die meisten Zugbegleiter mithelfen. Egal, es gibt schon mal blaue Flecken und zirpelt im Rücken, wenn das Bike mit Gepäcktaschen hochgehievt werden muss. Denn um die Taschen abzuladen und auf dem Bahnsteig stehen zu lassen, erst das Bike und dann das Gepäck einzuladen ist das Alleinreisen in Kombination mit der wenigen Zeit die oft bleibt einfach ungünstig. Zudem sind nicht auf jedem Bahnhof die Beschriftungstafeln zu finden, auf denen der Velotransport-Wagen gekennzeichnet ist, so dass man auf dem Perron an der richtigen Stelle warten kann. Meine bescheidene Erfahrung zeigt aber, dass die Veloverlademöglichkeiten sich oft im hinteren Teil des Zuges befinden. Beim Postauto/Bus helfen die Fahrer meist, wenn man nett fragt. Mit einer Portion Gelassenheit, keinem falschen Stolz beim Hilfe erfragen und keiner Scheu vor blauen Flecken ist der Transport mit Zug und Bus eine gute Option.

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Meist um die Mittagszeit oder am Nachmittag machte ich mich online auf die Suche nach einem Hotel. Entweder über die lokalen Tourismusorganisationen, über Google (Suche nach „Ort“, „Bike“ und „Hotel“) oder ich nutzte den Follower-Power über Social Media und bekam gute Tipps. Meist checkte ich den Online-Preis und rief aber auch noch an und fragte nach den Konditionen (ja, es gibt da tatsächlich Unterschiede) und schnappte mir das Angebot mit dem besseren Preis. Eine absolute Perle entdeckte ich in Davos – das Hotel Grischa ist auf Biker ausgerichtet und führt meine #Tweloreisen-Hotelrangliste an, gefolgt vom Hotel Castell in Zuoz.

Das Thema Verpflegung ist heikel. Es gibt tausend richtige und falsche Wege in der Sporternährung. Mir war klar, dass ich einen erhöhten Bedarf an irgendwelchen Stoffen haben würde. Auf der anderen Seite betrieb ich ja keinen Hochleistungssport. Also entschied ich ich für ein paar Mineralstoffe und Vitamine mehr (Burgerstein Sport, Magnesium und Aminovital) aber primär dafür, auf meinen Körper zu hören. Meist verlangte er am Abend nach Bier und Pasta. Also bekam er Bier und Pasta. Unterwegs versorgte ich mich mit isotonischen Getränken, Bananen und Sandwiches. Ob richtig oder falsch – ich fühlte mich gut und das war ja die Hauptsache.

Es empfiehlt sich zudem, eine grosse Portion Offenheit auf die Reise mitzunehmen. Ich traf auf die unterschiedlichsten Menschen. Eine junge Frau, die auf dem Weg zu ihrem Job in einer Alphütte war. Ein älteres Ehepaar aus Deutschland, die von ihren früheren Reiseabenteuern sprachen. Ein pensionierter Radfahrer, der jedes Jahr eine der offiziellen Velorouten der Schweiz fährt. Der junge Bikemechaniker, der mir super Tipps gab. Oder die Spaziergängerin, die ziemlich einsam wirkte und es wohl auch war. Ich kam mit vielen Leuten ins Gespräch, manchmal nur kurz aber manchmal auch länger. Es ist von Vorteil, wenn man offen und ohne Vorbehalte auf die Menschen zugehen kann. Ich habe viele wohltuende Erfahrungen gemacht. Leider war das bei der Tierwelt etwas anders. Unzählige Insekten liessen beim Zusammenprall mit mir ihr Leben, einigen Schnecken, Käfern und Raupen konnte ich nicht rechtzeitig ausweichen und ob die Ratte noch lebt, die sich todesmutig in meine Radspeichen geworfen hatte, weiss ich nicht. Immerhin rief ich den Kühen und Schafen auf den Weiden fröhliche Grüsse zu, auch wenn diese mich nicht beachteten oder nur argwöhnisch in meine Richtung schauten.

Alles in allem: Die #Tweloreise war eine tolle Erfahrung und ich kann sie nur empfehlen. Viel Spass!

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PDF: Frau W’s Tipps und Tricks für eine eigene #Tweloreise