Mein neuer Umgang mit Zucker

Seit ungefähr Ende Januar 2013 verzichte ich auf Süssigkeiten. Eigentlich wollte ich erst auf Zucker verzichten – aber Zucker ist ja fast überall drin. Sogar im Schinken, im Nature-Joghurt, im Bio-Eistee und natürlich in Früchten. Zucker ist aber nicht gleich Zucker. Zudem stellte ich fest, dass ich mit „Zucker“ eigentlich bloss die für mich überflüssigen und ungesunden zuckerhaltigen Lebensmittel meine. Also unterschied ich im Januar ganz einfach zwischen Zucker, welchen ich weiterhin essen und Zucker, auf welchen ich fortan verzichten würde.

Eine einzige Ausnahme habe ich bisher gemacht und diese war von Anfang an auch so vorgesehen. Ich hatte zu einer Cupcake-Party geladen. Und Cupcakes zu backen ohne zu naschen geht nun mal nicht. Zumindest nicht für mich. Und so liegt seit Januar auch mein heissgeliebtes Cupcake-Backen brach. Das ist zwar bedauerlich aber im Moment nicht zu ändern.IMG_6513

Keine Süssigkeiten mehr zu essen war die ersten paar Wochen hart. Körper und Geist reagierten – ich wage es sogar, von einem kleinen Entzug zu reden. Mein Konsum war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht übermässig aber doch erschreckend konstant. Das geht wohl vielen Menschen so. Mal kurz einen Schokobon aus der grossen Schale im Teambüro, ein Gebäck nach dem Mittagessen, einen Joghurt zwischendurch, einen Keks zum Kaffee, einen Ice-Tea aus dem Automaten, M&M’s im Kino, ein feines Dessert beim Abendessen bei Freunden, zwei-drei-vier kleine Cupcakes beim Backen, ein Stück Ovischoggi beim twittern, die Waffel mit Puderzucker beim Brunch und den Eisbecher im Restaurant… die Liste lässt sich wohl beliebig weiterführen. Nicht zu reden von dem vielen versteckten Zucker, dessen Konsum wir uns oft gar nicht bewusst sind. Zucker ohne Ende. Ein Teufelskreis. Denn kurz nach dem Zuckerkonsum verlangt der Körper nach mehr. Und man fällt in so manches Zuckerloch, welches man mit weiterem Zucker zu stopfen versucht.

Das Thema Zucker ist auch im Web ein grosses Thema. Von Befürwortern mit meist wirtschaftlichem Interesse über die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema bis hin zu destruktiven Hardcore-Gesundheitsaposteln ist alles zu finden. Googelt man „Zuckersucht“ kommen verstörende Informationen ans Tageslicht – auch wenn vieles davon sicher mit gesunder Vorsicht zu geniessen ist. Unter anderem spannend fand ich diesen TV-Beitrag auf Arte. Und in diesem TV-Beitrag geht es um den versteckten Zucker und wie die Industrie mit der Zielgruppe Kinder umgeht. In der Schweiz soll übrigens inzwischen jedes fünfte Kind übergewichtig sein – wie ist das möglich, liebe Eltern? Googelt man „Zuckerindustrie“ sieht man dann auch die andere Seite und erkennt schnell die wirtschaftlichen Hintergründe. Auch auf Social Media ist Zucker ein Thema. Man muss nur einmal das Wort „Zucker“ bei Twitter in der Suche eingeben. @Sunnechind hat zum Thema gesunde Ernährung, insbesondere auch dem Thema Zucker einen guten Blogbeitrag geschrieben. Und @klaeui geht, auch ein Aspekt des Themas, in seinem Blog sehr offen mit seiner Diabetes um. Mc Donalds bietet neu über Social Media die Möglichkeit an, Fragen zu stellen. Ich bin gespannt, was auf meine Frage geantwortet wird…

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Ich habe mir aus all den Berichten und Meinungen mein eigenes Bild gemacht und wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Für mich steht aber fest: Wir konsumieren tagtäglich viel zu viel Zucker und die Nahrungsmittelindustrie macht uns ihre Produkte oft mit der Zugabe von Zucker von früher Kindheit an schmackhaft. Unser Konsum ist einerseits zu unbedacht und andererseits sind wir uns oft gar nicht bewusst, wo es überall Zucker drin hat.

Zurück zu meiner Ernährungsveränderung. Ich habe also ab Januar all die oben aufgezählten Süssigkeiten & Co. konsequent weggelassen. Und zwar komplett. Ich befasste mich damit, wo es überall Zucker drin hat. Fortan prüfte ich die Inhaltsettiketten der Lebensmittel, die ich kaufte. Hier war ich nicht ganz so radikal. Hatte ich Lust auf Schinken, kaufte ich Schinken. Aber ich kaufte bewusster ein und fand dann zum Beispiel im Reformhaus auch ungezuckerte Cornflakes oder Naturejoghurt ohne Zucker. Süssungsmittel benötige ich nicht (Stevia aus dem Reformhaus wäre übrigens eine super Alternative), da ich z.B. den Kaffee und Tee schon bisher ohne Zucker getrunken habe. Light-Produkte konsumiere ich kaum, ich halte sie für ebenso ungesund wie gezuckerte Produkte. Früchte esse ich weiterhin, auch getrocknete. Ich verzichte nicht auf Alkohol und ich trinke weiterhin mein isotonisches Getränk zum Sport. Das ist gut und fühlt sich für mich richtig an, denn totaler Verzicht führt irgendwann zum Verleider und dann hat er dich wieder, der Teufelskreis. Generell esse ich aber automatisch gesünder, denn der Verzicht auf Süsses und der bewusste Umgang damit macht mich beim Thema Ernährung schlicht und einfach sensibler. Aber auch hier habe ich eine für mich gute Mischung gefunden.krümi

Ich esse nun also seit über sieben Monaten keine Süssigkeiten mehr. Ich habe mich daran gewöhnt und es bereitet mir auch keine Mühe, wenn rund um mich alle ein Dessert verschlingen und ich dabei zusehe. Es geht mir gut ohne Süssigkeiten und die Momente, in welchen ich nach etwas Süssem lechze, werden seltener. Süsses kann und soll für mich auch keine Belohnung oder Trost sein. Unterzuckerung kommt schlicht nicht mehr vor. Und es sind Kilos gepurzelt. Inzwischen ist es normal geworden und durchhalten im Sinne von Verzicht ist eigentlich gar nicht mehr nötig. Es ist wirklich nur eine Einstellungssache. Wie lange ich das noch durchziehe und ob ich mir irgendwann wieder ab und an etwas Süsses gönne – ich weiss es noch nicht, wir werden sehen. Im Moment habe ich schlicht und einfach keine Lust mehr auf Süsses. Und es geht mir gut dabei.

 

8 thoughts

  1. Pingback: Verzicht | Frau W.
  2. …finde ich super, ich selber esse kein zucker mehr seit fast 1.5 jahren! auch kein zuckerersatz. ausnahmen sind ganz wenige. zudem habe ich auch fast alle kohlenhydrate gestrichen, also brot, teigwaren (getreide). was am schluss auch zu zucker umgewandelt wird…

    schöner gruss @werk8

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  3. Pingback: klaeuiblog
    1. Bei mir funktioniert es wirklich gut, weil ich es nicht zu extrem handhabe, bzw. das aus gesundheitlichen Aspekten wie Diabetes o.ae. auch nicht muss.

      Ja, McDonalds hat geantwortet – sie hätten keinen versteckten Zucker, es sei alles deklariert… Ist wohl wahr, wenn es auch viel Zucker in den Produkten hat – auch dort, wo man ihn nicht in diesen Mengen erwartet. Schau mal, dieser Nährwertberechner fördert das Grauen zu Tage. Das ist ein Angebot von McDonalds. http://www.mcdonaldsmenu.info/nutrition/menucal.jsp Ob die Konsumenten das nutzen oder nur die Kritiker sei dahingestellt… 😉

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  4. Spannend. Eigentlich sollten sich alle diese Gedanken mal machen und es ausprobieren. Dann gäbe es sicher auch den Diabetes weniger häufiger.
    Hast du den eine Antwort von MacDonalds erhalten?

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