Tschüss Bob

Diese Woche habe ich mein Auto verkauft. Mir war einfach danach, die Zeit dafür stimmte. Mein Nutzungsverhalten hatte sich stetig verändert. Ich liess das Auto vermehrt auch einmal stehen und nutzte den öffentlichen Verkehr. Neben allen auf der Hand liegenden ökonomischen und ökologischen Überlegungen stellte ich mir auch die Frage, ob dieser persönliche Luxus wirklich notwendig ist.

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Ich habe diesen Weg vor ungefähr sechs Jahren übrigens schon einmal beschritten. Damals zog ich mitten in die Stadt und befand, dass ich mit mehreren Tramlinien direkt vor dem Haus nun wirklich kein Auto mehr brauche. Rund zwei Jahre später hatte ich jedoch innert Kürze genügend überzeugende Argumente zusammen, um wieder auf das Auto umzusteigen.

Pünktlich zu meinem 40. Geburtstag traffen Bob und ich aufeinander. Ehrlich – ich liebte mein Auto heiss und es war für mich die ganze Zeit über das schönste Auto auf Erden. Bob stand übrigens für «Bettina on board» und sogar mein Autoverkäufer nutzte diesen Namen all die Jahre. «Ah, Sie bringen Bob zum Service…» oder «Oh, schön Sie zu sehen – Radwechsel bei Bob?». Ich freute mich jedes Mal, wenn ich Bob sah. Wir waren bis zur letzten Minute ein gutes Team.

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Und da sitze ich nun also mit meinem GA (Generalabonnement für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz) und ertappe mich bei unzähligen Gedanken, bei denen ich das Auto automatisch voraussetze. Oder dabei, dass ich meine Weekend-Tasche bewusster packe – schliesslich schleppe ich jetzt ja alles selber. Und auch dabei, wie ich sehr ich den Gedanken mag, kein Ticket mehr lösen zu müssen und die öV einfach nach Lust und Laune zu nutzen. Eine ganz neue, andere Freiheit.

GA

Ich möchte nicht ausschliessen, dass ich irgendwann wieder ein Auto kaufe. Dazu kenne ich mich zu gut. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht immer wieder neue Dinge ausprobieren, alternative Wege finden und mich und mein Verhalten reflektieren würde.

Umdenken ist nicht bequem aber es ist absolut machbar, zumal es in diesem Fall ja auf freiwilliger Basis geschieht. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird.

19 thoughts

  1. Pingback: Verzicht | Frau W.
  2. Kannst sagen was du willst. Mit dem GA habe ich mehr Freiheit gewonnen als ich damals mit dem Auto aufgeben habe!
    Solange du das Handtuch dabei hast bist du immer auf der Gewinnerstrasse! 🙂

    1. Vielleicht ist es einfach nicht zu vergleichen, ich finde beide haben Vor- und Nachteile.
      Aber hey, so ein Handtuch ist wichtig – da kann man auch Bier und Erdnüsse drin einwickeln 🙂

    1. Toller Blogpost – danke dafür und fürs verlinken. Die „Freiheit“ beschreibst du genau so, wie ich sie auch empfand. Ich bin gespannt, ob ich auch so ein positives Fazit wie du ziehen werde 😉

  3. Hut ab! Auch wenn ich es kaum verstehe. Autos, Motorräder, Boote – was einen Motor hat macht mir Spaß – einzige Ausnahme der Rasenmäher! Gut, nur das Auto benötige ich wirklich, denn geschäftlich kommen rund 30 tsd Kilometer pro Jahr auf die Uhr und meine Kunden sitzen nicht in der Nähe von Bahnhöfen und Flugplätzen. Wer aber in der Stadt lebt und die öffentlichen Nutzen kann, nun da ist ein autoloses Leben denkbar.

    Einen so hübschen Mini abzustoßen – da krampft sich mir alles zusammen. Autos machen mir nämlich Spaß. Ich fahre selten Zug, Busse und Bahnen sind gar nicht meins – die Leute nerven mich und fliegen ist nur eine Art schnellere Busreise für lange Strecken. Wenn ich im Flughafen Parkhaus in meinen Wagen steige seufze ich jedesmal zufrieden und bin richtig glücklich.

    Ich werde dein Tram Experiment verfolgen, sicher berichtest du ja ab und an.
    Auf jeden Fall kannst du nun tierisch bechern wenn du ausgehst – solange du nicht in die Tram göbelst 🙂

    Zudem bist du mit hinreichend flachen Schuhen ausgestattet, deine Adidas Sammlung scheint umfangreich! Also sind wir mal gespannt.
    Zudem ist ein Auto ja schnell wieder angeschafft.
    Noch ein kleine Detail zum Bild deiner Jahreskarte: das ist ein sehr schöner Nagellack!

    1. Tja, ich ergänze mit Quad (sehr cool) und ausserdem wollte ich schon lange mal auf so einem Traktor-Rasenmäher rumdüsen. Aber das kann ja noch werden. Es ist auch für mich eine gewagte Sache, denn das Auto mit all seinen Vorteilen stand mir sehr nahe. Dennoch – die 20’000 km in 3,5 Jahren waren nicht gerade ein Pro-Auto-Argument 😉 Und die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Nerv-Faktor im öV ist auch für mich sehr hoch – ich muss mir da noch die eine oder andere Taktik ausdenken. Ich bin alles in allem vermutlich noch gespannter als du, wie das alles gehen wird. PS. Meine Adidas-Sammlung ist übrigens farblich auf die Nagellack-Sammlung abgestimmt. Versteht sich von alleine.

      1. Du hast Nagellack mit weißen Streifen drin? Uuiiih!
        Ich bin schon jetzt gespannt, was du zum Thema Nerv-Faktor berichten wirst.
        Insbesondere was die Taktik angeht.

      2. Farblich abgestimmt heisst nicht gleich gemustert 😉

        Die Taktik-Vorbereitungen bestehen aus:
        – Guter Kopfhörer
        – Voller Akku/Ersatzakku iPhone
        – Minzöl für unter die Nase
        – Dunkle Sonnenbrille

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