Verzicht

Weniger Konsum, weniger Eigentum, weniger Ablenkung. Konzentration auf das Wesentliche. Bewusstes Leben. Ausleihen und teilen statt zu besitzen. Verzicht liegt voll im Trend. Verzicht ist der neue Wohlstand.

Doch was genau steckt hinter dem Wunsch nach Verzicht? Der Wunsch an sich ist nicht neu. Aktuell wird bei uns einfach wieder mehr über das Thema gesprochen und das hat bestimmt auch mit unserer Lebenssituation zu tun. Die Wahl zu haben kann anstrengend sein. Wir sind doch schlicht überfordert von den unzähligen Möglichkeiten, die uns tagtäglich und in fast jeder Situation geboten werden.

Nicht das Zuwenig ist das Problem, sondern das Zuviel.

Zu viele Möglichkeiten zu haben macht uns also das Leben schwer und wir möchten kein schweres Leben. Zumindest nicht, wenn wir die Wahl haben – ein Umstand, der Freud und Leid zugleich sein kann. Und daraus entsteht oft der Wunsch nach Einfachheit.

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Dazu ein Auszug aus Wikipedia: «Einfachheit gilt als erstrebenswert, wenn mit wenigen Mitteln möglichst viel erreicht werden kann. Dann ist sie ein Synonym für Minimalismus, Klarheit oder Simplizität (Weniger ist mehr). Antike Naturphilosophen forderten, dass eine wahre Theorie nicht nur schön (im Sinne einer logischen, in sich stimmigen Struktur) und gut (d. h. funktional und konkret umsetzbar) sein sollte, sondern auch einfach.»

Gerade vor Ostern boomt das Thema in Form des Fastens. Wikipedia sagt dazu: «Fasten ist die völlige oder teilweise Enthaltung von Speisen, Getränken und Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg, üblicherweise für einen oder mehrere Tage.» Wobei festzuhalten ist, dass Fasten und Verzicht nicht zwingend mit Religion zu tun haben müssen, sondern auch einen medizinischen (Heilfasten), rituellen (Reinigung/Willenskraft) oder gar politischen (Hungerstreik) Hintergrund haben können.

Auf was kann ich verzichten, was kann ich weglassen? Eine spannende Frage, noch spannender ist allerdings der Weg zur Antwort. Viele von uns kennen das aus eigener Erfahrung. Wir verzichten aus unterschiedlichen Gründen, nicht immer ganz freiwillig aber meist getrieben vom Wunsch nach positiver Veränderung. Ob nur einen Tag, eine Woche, einen Monat oder gleich für immer.

Zugleich wissen wir aber mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen auch, dass die Zeit des Wohlstands angezählt ist. Schneller, weiter, höher ist irgendwann vorbei. So zumindest lautet meine persönliche Schlussfolgerung und wir sind gut beraten, vor dem grossen Absturz umzudenken. Nicht aussteigen ist der Weg, sondern umsteigen.

GA

Bei meinen Recherchen bin ich auf einige Artikel und Bücher zum Thema gestossen, gerne verlinke ich hier zu einer kleinen und nicht repräsentativen Auswahl. Ebenso verlinke ich zu ein paar alten Blogposts, bei denen ich mich mit dem Thema befasst habe.

Buch «The age of Less» von David Bosshart/GDI
Der Westen steht vor dem Ende des Zeitalters des ewigen Zahlenwachstums. Die Logik des Immer-Mehr hat abgewirtschaftet. Aber wie bewahren wir unsern Wohlstand? Nicht mit einem Ausstieg aus dem Kapitalismus.

Artikel «Minimalismus / Wenig ist genug» aus «Zeit online»
In der Fastenzeit verzichten viele Menschen auf Luxus und Genuss. Einige tun dies dauerhaft. Was treibt diese Minimalisten an?

Artikel «Fastenzeit / Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen» aus «Zeit online»
Atem statt Mahlzeiten, Yoga statt Kaffee. Wie ist das, eine Woche lang nichts essen zu dürfen? Nicht essen zu müssen?

Website «Sharely» Die lokale Schweizer Miet- und Vermietplattform für Alltagsgegenstände.
Mit Sharely kannst du Objekte mieten und vermieten. Suche und miete, was du haben möchtest.

Website WWF mit Footprint-Test. «Besser leben»
In der Schweiz stagniert das Wohlbefinden, obwohl unser Wohlstand weltweit seinesgleichen sucht. Was uns fehlt ist der innere Wohlstand. Doch wie kann man diesen erlangen? Der Schlüssel dazu heisst: Bewusst leben. 

Buch «Befreiung vom Überfluss» von Nico Paech und mein Blogpost «Die Sache mit dem Überfluss» dazu.
Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf.

Und als Motivation für eine Veränderung mein dazu passender Blogpost «30 Tage».
Innehalten, positive Reaktion prüfen, handeln. Probiert es doch einfach aus. Zum Beispiel 30 Tage lang. Egal mit welchem Thema. Es funktioniert.

Blogpost zu meinem Selbstversuch aus dem Jahr 2009: Einen Monat Verzicht auf Facebook.
Hinweis: Ich habe den Monat auf ein Jahr ausgeweitet und bin danach wieder zu Facebook zurückgekehrt…

Und aktuell immer noch gut auf Kurs: Mein mittlerweile seit 15 Monaten andauernder Verzicht auf Süssigkeiten und der zugehörige Blogpost «Mein neuer Umgang mit Zucker»
Keine Süssigkeiten mehr zu essen war die ersten paar Wochen hart. Körper und Geist reagierten – ich wage es sogar, von einem kleinen Entzug zu reden. Mein Konsum war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht übermässig aber doch erschreckend konstant.

Ganz frisch aber immer noch mit einem guten Gefühl. Mein Blogpost «Tschüss Bob» zu meinem Autoverkauf.
Neben allen auf der Hand liegenden ökonomischen und ökologischen Überlegungen stellte ich mir auch die Frage, ob dieser persönliche Luxus wirklich notwendig ist.

Ich probiere also immer wieder neue Wege und Möglichkeiten aus und mache dabei viele Erfahrungen, die mich an meine Grenzen und darüber hinaus bringen. Innerer Wachstum macht Spass. Veränderung braucht Bereitschaft. Veränderung ist mit der richtigen Einstellung machbar. Wichtig finde ich es, in Bewegung zu bleiben.

 

5 thoughts

  1. Mmh, das ist nun so eine Sache… Verzicht – kann man gut finden – oder auch nicht. Für mich persönlich ist es einfach schön, eigene Wünsche – große wie auch kleine zu erfüllen. Ich bin leidenschaftlich und mit voller Begeisterung Unternehmer, somit ist Wachstum für mich ein elementares Ziel – dabei nie ein Selbstläufer und nie selbstverständlich. Erfolg erfordert eine gewisse Demut und setzt meist überdurchschnittliches Engagement voraus. Und wenn sich das enorme Engagement auszahlt macht es Spaß sich selbst zu belohnen und das darf dann durchaus auch in einem Lifestyle gipfeln, der ab und an über der Norm liegt. Ich respektiere es, wenn jemand lieber reduziert lebt und eben Verzicht übt. Selbstverständlich wäge ich auch ab, was mir wirklich Freude bereitet und zudem auch von eher bleibendem Wert ist – ich bin kein Consumer Junkie. Aber grundsätzlich neige ich wohl eher dazu mir auch etwas zu gönnen. Ich freue mich wie ein Schneekönig über eine Buch Entdeckung im Antiquariat, über ein Käsebrett auf einer Alm, einen unbekannten Waldweg und viele andere Kleinigkeiten. Es macht mich aber glücklich, dass ich mir auch besondere Dinge erlauben kann. Eines ist mir aber wirklich sehr sehr wichtig: nichts ist selbstverständlich und Gesundheit ist das Allergrößte! Ich bin sicher nicht so der Verzicht-Typ, eher so der bewusste Genießer mit Maß und Ziel – und so macht mir das Leben Spaß.

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    1. Verzicht ist nicht mit Leid gleichzusetzen… 🙂 Verzicht heisst für mich nicht, mir nichts zu gönnen oder mir keine Freude zu machen. Ob teuer oder ganz günstig spielt dabei keine Rolle. Für mich geht es darum, bewusster zu wählen. Und auch einmal zu hinterfragen, was ich warum brauche und ob ich das jetzt wirklich brauche. Bewusst-sein macht noch viel mehr Spass…

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  2. Finde ich gut. Und viele Gedanken kann ich gut nachvollziehen.

    Verzicht zeigt mir auch die Tatsache, dass wir überhaupt mit weniger leben können. Andere Menschen könnten das gar nicht. So ist Verzicht auch ein Zeichen der Solidarität.

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